Live

Noch nichts verlernt

Nach langer Pause sind Mother Tongue wieder auf Tour

Eine großartige Band

Wer Mother Tongue kennt, wird sich zunächst vielleicht gewundert haben. Was macht eine so großartige Band im BiNuu? Gehören die nicht mindestens in die Columbiahalle oder ins Huxleys?

Funk- und Bluesrock mit Wucht

Verdient hätten Dave Gould und seine Mitstreiter diese größeren Locations allemal. Der Funk- und Bluesrock des Quartetts hat auch nach vielen Jahren der Pause nichts von seiner Wucht verloren. Mother Tongue rocken wie es anfangs auch die roten Chili-Schoten immer wollten. Wem beim seichten Pop-Matsch der jüngsten Kiedis&Co-Scheibe jedoch die Tränen der Belanglosigkeit kamen, wird wissen wo er richtig aufgehoben ist.

Sex, Gewalt und Drogen

Mother Tongue haben schon immer echte Musik gemacht – es geht um Sex, Gewalt und Drogen, um die dunkle Seite, die jeder von uns in sich trägt. Und man nimmt es ihnen auch nach mehreren Jahren Pause noch immer von der ersten Konzertminute an ab. Diese Jungs sind durch die Höllen gegangen, die sie besingen. Doch es hat sie stark gemacht. Ihre Musik rockt und zeigt dem Leben den Stinkefinger. Es ist eben so wie es ist und wir machen das Beste draus.

Improvisationen

Ihre Qualitäten spielt die Band aus Los Angeles vor allem live vor Publikum aus. Da bleibt mitunter in ihren Songs kein Stein auf dem anderen. Es wird improvisiert bis die Schwarte kracht und auch wenn mal ein Ton daneben geht: So ist eben das Leben. Da darf auch mal was schief gehen, der Stimmung tut das keinen Abbruch. Dass Mother Tongue gerade dieses direkte Geradeaussein noch nicht verlernt haben, haben sie am Donnerstag im BiNuu eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

In Ekstase

Knappe zweieinhalb Stunden inklusive Zugabe versetzten Mother Tongue ihre treuen Fans in Ekstase. »Holy Shit« wurde zum geflügelten Wort des Abends und ein Jungfan im Alter von etwa acht Jahren wird das Konzert mit Sicherheit sein Leben lang in Erinnerung behalten. Als Frontmann Dave Gould den Jungen auf den Schultern seines Vaters in der Menge entdeckte, lud er ihn kurzerhand auf die Bühne ein, wo der Blondschopf das Geschehen dann aus anderer Perspektive erleben durfte.

Der direkte Kontakt

Gerade dies zeigt jedoch auch, warum man als Fan der Band stets ein wenig hin und her gerissen ist. Auf der einen Seite wünscht man Mother Tongue den (auch finanziellen) Durchbruch, um endlich von der Musik leben zu können. Auf der anderen Seite bedeuten größere Konzertlocations natürlich aber auch die Gefahr des direkten Kontaktverlustes. Mal eben ein Kind auf die Bühne holen? Mal eben im privaten Plausch mit einem Fan in der fünften Reihe? Im Huxleys oder in der Columbiahalle ist das mit Sicherheit nicht so einfach.

Re-Release bei Noisolution

Einigen wir uns also darauf, dass das BiNuu an diesem Abend genau die richtige Location war, es nächstes Mal dann aber zumindest das ColumbiaTheater sein darf. Und wer die großartige Live-Band tatsächlich noch immer nicht kennt: Einem stets unermüdlichen Label aus Kreuzberg ist es zu verdanken, dass die beiden Erfolgsplatten von Mother Tongue aus den Jahren 2002 und 2003 in einer schönen Fan-Edition als Doppel-CD erhältlich sind. Streetlight und Ghost Note gibt es direkt auf der Seite von Noisolution zu kaufen.

Mother Tongue im BiNuu

Meine Wertung

Druckvoll und voller Energie wie eh und je. Bei Mother Tongue scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

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The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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