Politik national

Die Provokation der alten Dame

Wen interessieren eigentlich die Tweets der Beatrix von S.?

Neues Jahr – altes Spiel

Das neue Jahr ist keine 48 Stunden alt und schon möchte man eigentlich wieder nur noch mit dem Kopf schütteln. Aus den Fehlern des alten Jahres nichts gelernt… Die Dame auf dem Foto braucht nur ein paar Worte der Provokation und schon steht sie wieder dort, wo sie sich am liebsten sieht: In den Schlagzeilen. Der Kurz-Nachrichtendienst twitter sperrt der alten Dame den Account und liefert damit eine gelungene Vorlage. Der Aufschrei ist groß und weite Teile der Medienvertreter tappt blind in die Falle.

Was ist denn geschehen?

Am Silverabend twittert die Kölner Polizei gute Wünsche für das neue Jahr – und sie tut dies auch auf arabisch. Wohlgemerkt: auch, nicht etwa ausschließlich. In Berlin jedoch freut sich die alte Dame, hat sie doch wahrscheinlich den ganzen Abend nur darauf gewartet. Statt den Jahreswechsel zu feiern, sitzt sie irgendwo in ihrer luxuriösen Bleibe, für deren Bezahlung sie als Bundestagsabgeordnete jeden Monat sehr viel mehr Steuergelder zur Verfügung gestellt bekommt als jeder hart arbeitende Polizist und hat nichts Besseres zu tun als in Menschen verachtender Art und Weise auf ein paar Worte in arabischer Sprache zu reagieren.

Und was interessiert uns die alte Dame?

Nun, im Grunde überhaupt nicht. Deshalb tut auch der Inhalt des Tweets an dieser Stelle nichts zu Sache. Denn im Grunde geschehen in diesem Moment genau die richtigen Dinge. Bei twitter ist ein Mitarbeiter (oder ein Algorithmus?) tatsächlich aufmerksam genug, um das kurze Stück Hass-Propaganda zu löschen und darüberhinaus den Account der Dame zu sperren. So weit, so gut – aber natürlich nicht für die alte Frau, die irgendwo in Berlin in ihrer Luxus-Bleibe hockt und so langsam Panik bekommt. Wenn der Tweet gelöscht wurde kann ihn ja niemand lesen… und wenn ihn niemand lesen kann, kann sich ja auch niemand darüber aufregen… Oh Gott, oh Gott, was mache ich nur?

Schnell die anderen Kanäle nutzen

Einziger Ausweg: Vorlage nutzen! So eine Löschung ist doch schließlich gegen die Meinungsfreiheit. Und überhaupt herrschen ja in der Bundesrepublik inzwischen schlimmere Zensur-Gesetze als zu Zeiten… ach, lassen wir das. Die Dame beschwert sich also auf der anderen großen Social-Media-Plattform über die Zensur – und erhält natürlich prompt Unterstützung ihrer Parteikollegen. Es beginnt also zu wirbeln und kaum ist der Rausch des Jahreswechsels ausgeschlafen, hat Frau von Storch genau das, was sie im Grunde nur bezweckt hat.

Es geht nicht um die Inhalte

Die ersten Newsletter des Jahres der großen deutschen Tageszeitungen beginnen jedenfalls alle mit ein und demselben Thema: Der gelöschte Tweet einer unbelehrbaren Narzisstin. Die Provokation hat wieder gefruchtet und die Damen und Herren der AfD lachen sich auch im neuen Jahr wieder ins Fäustchen.

Wann kapiert Ihr es endlich?

Ohne das Problem des rechtspopulistischen Drecks verharmlosen zu wollen – lassen wir doch aber auch einfach mal die Kirche im Dorf. Gibt es wirklich keine wichtigeren Themen als die Tweets einer alten Dame – die, überlegen wir doch mal, an Silvester vielleicht gar nicht so alleine war und vor ihrer Attacke vielleicht auch schon das ein oder andere Gläschen Alkohol zu sich genommen hat? Muss denn wirklich jeder »Furz« in den Medien breit getreten werden – nur weil er von der AfD kommt?

Seien wir hart, aber gelassen

Die einzige Reaktion, die diese rechten Agitatoren verstehen, ist die der Gegenwehr. Nicht über die Medien, sondern so, wie viele aufrechte Leute inzwischen gemacht haben: Anzeige bei der Polizei wegen Volksverhetzung und fertig. Die Damen und Herren der AfD haben nur einen Wunsch: Öffentliche Empörung. Und sie freuen sich ein zweites Loch in den Hintern, wenn sie diese bekommen. Strafen kann man diese Volksverhetzer allein durch das Gesetz – und vor allem durch Nichtbeachtung!

Aber was ist mit »Wehret den Anfängen«?

Genau in der öffentlichen Wahrnehmung liegt doch der Anfang. Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Wenn der Glatzkopf in Sachsen jedoch fast täglich und bei jeder Kleinigkeit das ganze Menü brauner Soße vorgesetzt bekommt, wird er bei nächster Gelegenheit auch nicht zögern, sein Kreuz am rechten Rand zu machen. Wir alle können uns dann gratulieren, dass wir dem armen Mann mit seinem beschränkten Horizont dabei geholfen haben, die richtige Stelle für sein Hakenkreuz zu finden. Eine Stelle, die er ohne die unsere Unterstützung und das ewige Aufheulen, niemals gefunden hätte.

Foto: Superbass – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53221811

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The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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