Fußball national

Kölscher Karneval in der Vorweihnachtszeit

Beim FC brennt der Baum und es niemand da, der ihn löschen kann

Rund um Karneval brannte der Baum

Es gab Zeiten, da war man es in Köln gewohnt, dass beim Vorzeigeclub der Stadt rund um den Karneval der Baum brannte. Zu groß war der Sog der fünften Jahreszeit, als dass die Feierlichkeiten rund um Rosenmontag nicht auch im Geißbockheim für die ein oder andere schräge Situation sorgte. Niederlagenserien im Februar und März gehörten lange Zeit zum FC wie der Dom zu Kölle.

Ein Eindruck der Ruhe

Drei Jahre nach dem letzten Aufstieg aus der zweiten Liga hatte man im Frühjahr in der Domstadt jedoch eigentlich eher den Eindruck, dass endlich Ruhe eingekehrt sei. Gerade hatte man sich nach vielen Jahren der Abstinenz endlich mal wieder für das internationale Geschäft qualifiziert und mit dem zwar manchmal etwas grantigen, aber fachlich über jedem Zweifel erhabenen Peter Stöger schien man endlich einen Trainer gefunden zu haben, der zwar weit entfernt vom rheinschen Frohsinn war, aber doch irgendwie zum Verein passte. Ein Mann, der wusste, was er wollte – und vor allem eben ein Mann, der wusste, wie er das, was er wollte, auch erreichte.

Das Hin und Her um Modeste

Es dauerte jedoch nicht lange und der Effzeh war schon wieder in aller Munde – und das, obwohl zu dieser Zeit gar kein Fußball gespielt wurde. Das Hick-Hack um Stürmerstar Anthony Modeste ließ in der Sommerpause so manchen Geißbock-Anhänger kopfschüttelnd zurück. Und der ein oder andere wird schon damals geahnt haben, dass dieses Transfertheater im Grunde erst der Anfang vom Ende war.

Schwächer als Tasmania

Vierzehn Spieltage später befindet sich der 1.FC Köln wieder im freien Fall in Richtung Liga zwei. Peter Stöger und seine Spieler konnten seit dem 2:0 am letzten Spieltag der Vorsaison kein Bundesliga-Spiel mehr für sich entscheiden. Kümmerliche drei Punkte sammelte der Europa-League-Teilnehmer in der neuen Saison und hat zum rettenden Ufer bereits elf Punkte Rückstand. Drei Spiele noch und man hat den Rekord des 1.FC Nürnberg eingestellt, der 2013 schaffte, die gesamte Hinrunde ohne Sieg zu bleiben, dabei aber wenigstens elf Mal Unentschieden spielte.

Die Posse um die Entlassung

Und als wäre all dies nicht schon schlimm genug, setzte die Kölner Klubführung am Wochenende noch einen drauf. Vom Hin und Her um Manager Horst Heldt ganz zu schweigen, geriet die Freistellung des österreichischen Trainers zu einer Posse, die selbst nach über fünfzig Jahren Bundesliga-Geschichte noch unter der Überschrift »Das hat es so auch noch nicht gegeben« geführt werden darf.

Schon vor dem Schalke-Spiel

Nach dem Motto: Es geht immer noch irgendwie taktloser hatte man sich in Köln nämlich bereits vor dem Spiel auf Schalke dazu entschlossen, dass Peter Stöger nach der Partie von seinen Pflichten entbunden wird. Das ist in etwa so, als würde der Chef zu seinem Arbeitgeber gehen und sagen: »Pass auf, ich muss dich leider entlassen, aber vorher musst Du bitte noch das Klo sauber machen.« Einfach mit dem Unterschied, dass dem Trainer zwar offensichtlich gesagt wurde, dass er das Klo noch sauber machen müsse, aber von einer folgenden Kündigung lange keine Rede war.

Keine glückliche Figur

Es passt ins Bild, dass Stögers Nachfolger Stefan Ruthenbeck laut Gerüchten bereits vor dem Spiel von seiner U19-Mannschaft verabschiedet haben soll, mit der Begründung, er würde die Profis übernehmen. Eine Äußerung, die FC-Präsident Klaus Spinner auf einer Presse-Konferenz als »unglücklichen Start« bezeichnete, die laut Ruthenbeck jedoch nie so gefallen sei. Und überhaupt sei doch eigentlich alles ganz anders gewesen.

Viele offene Baustellen

Diesen Eindruck gewinnt man, wenn man die Taten und Worte der Klubführung in den letzten Wochen verfolgt. Da weiß offensichtlich die rechte Hand nicht, was die linke macht und so manch einer aus der Führungsriege arbeitet gar lieber mit dem Mundwerk als mit tatkräftiger Unterstützung in der Sache. So ist es wenig verwunderlich, dass der 1.FC Köln kurz vor der Winterpause mit vielen offenen Baustellen dasteht und gleichzeitig das Problem hat, im Grunde schon für die zweite Liga planen zu müssen. Auch, wenn das natürlich niemand in der Domstadt hören will.

Alles ruhig beim HSV?

Bei so viel Chaos kratzt man sich dann schon mal am Kopf und fragt sich, was die Herren aus der Kölner Vorstandsetage eigentlich beruflich machen. Mitunter blickt man auch verwundert gen Norden: Was passiert eigentlich gerade beim HSV?

Foto: Marco Verch – Peter Stöger lachend, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48892955

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The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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