TV-Serien

Eine Höhle im dunklen Wald

Mystery aus Deutschland: Die TV-Serie »Dark«

Eine Höhle wie ein Schlund

Es ist eine Höhle in einem dunklen Wald, wie es sie in Deutschland wahrscheinlich zu Hunderten gibt. Der Eingang klafft wie ein Loch, dass wie ein riesengroßes Maul alles zu verschlingen droht, dass sich ihm nähert. Um den Ort des Geschehens noch ein wenig unheimlicher wirken zu lassen, haben die Macher von »Dark« vor das große Loch noch einen ausgedienten und verlotterten Couch-Sessel gestellt. Eine letzte Ruhestätte ehe die wilde Fahrt beginnt?

Ein 15-jähriger Junge verschwindet

So viel sei an dieser Stelle verraten: Die wilde Fahrt wird kommen – später. Bis die Serie so richtig in Schwung kommt, dauert es. Dem gemächlichen Leben einer Kleinstadt entsprechend, beginnt »Dark« im Grunde recht ungewöhnlich. Im fiktiven Winden ist ein 15-jähriger Junge verschwunden. Nicht zum ersten Mal. Die Eltern sagen selbst: Sonst hat er sich immer im Keller versteckt. Für die Polizei also zunächst kein großer Grund sich Sorgen zu machen.

Ein zweiter Junge verschwindet

Erst als wenige Tage später auch der 11-jährige Mikkel praktisch vom Erdboden verschluckt wird, läuten bei einigen Bewohnern der durch ein nahes Atomkraftwerk geprägten Stadt die ersten Alarmglocken. Hinzu kommt, dass kurz darauf eine Kinderleiche entdeckt wird, bei der es sich jedoch nicht um einen der beiden vermissten Jungen handelt.

Nichts ist, wie es scheint

An dieser Stelle sei nun auch noch verraten: Ganz egal, was Sie sich nun aus den eventuellen Zusammenhängen der gegebenen Informationen als Lösung überlegen, Sie liegen falsch. »Dark« legt von Beginn bis Ende falsche Fährten und unterstreicht allein so schon, worum es geht: Es gibt keinen Beginn – und es gibt kein Ende. Die Frage ist nicht, wo die beiden verschwundenen Jungen sind, sondern wann. So viel verrät immerhin der Trailer schon.

Erste in Deutschland produzierte Netflix-Serie

Die von Jantje Friese und Martin Behnke geschriebene und vom Schweizer Baran Bo Odar inszenierte Mystery-Serie ist allein deshalb schon bemerkenswert, weil sie die erste komplett in Deutschland entwickelte, produzierte und gedrehte Serie des US-amerikanischen Streaming-Anbieters Netflix ist. Sie ist es aber auch deshalb, weil sie dem seit »4Blocks« und »Babylon Berlin« zurecht gestiegenen Anspruch an deutsche TV-Produktionen problemlos Stand hält. »Dark« ist hochwertig produziert, gut gespielt und vor allem spannend.

Keine Antwort auf falsche Fragen

In zehn Folgen wird der Zuschauer auf eine Reise mitgenommen, die ruhig und gemächlich beginnt. Mit zunehmender Dauer wird der Sog dann stärker und ehe man sich versieht, ist es für den Absprung zu spät. »Wer, was, wann, wo?« möchte man fragen. Schnell wird jedoch auch klar, dass es längst nicht auf alle Fragen eine Antwort gibt. Vielleicht einfach, weil letztlich nichts so ist, wie es scheint und man ganz einfach die falschen Fragen stellt.

In erster Linie spannend

Wem das nun zu hochtragend, zu philosophisch klingt, sei an diesem Punkt beruhigt. Bei allen philosophischen Fragen über das Hier und Jetzt, fokussiert sich »Dark« doch ganz klar auf die Spannung. Dies geschieht vor allem mit immer wieder tollen Bildern, mitunter auch durch zeitweise etwas zu stark akzentuierte Musik. Es geschieht vor allem ohne große Zutaten auf einem Level, der dem eigenen Leben nicht zu weit entfernt ist.

Aufgesetztes Ende

Und genau darin liegt eine der Stärken von »Dark«. Die Serie braucht kein Brimborium. Sie siedelt das Übersinnliche mitten im »normalen« Leben ihrer Protagonisten an und erschüttert dieses somit nachhaltig. Irgendwelche nebulösen Effekte braucht die Serie dafür nicht – jedenfalls bis kurz vor Schluss der ersten Staffel nicht. Das etwas aufgesetzt wirkende Ende der zehnten Folge scheint dabei ein klares, leider zu offensichtlich verfolgtes Ziel zu verfolgen: Eine Fortsetzung der Serie in einer zweiten Staffel.

Dark

Meine Wertung

Dunkel-düsterer Trip durch das Seelenleben einer Kleinstadt - mit überraschenden Wendungen spannend bis zuletzt.

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The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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