Work in Progress

Birkenfeld

Fragmentarische Lebenszeichen

Vor dem Fernseher in ihrem Eigenheimen

Nur so eine langweilige Kleinstadt irgendwo im Süden der Republik. Die Menschen fristen ihr trostloses Dasein vor dem Fernseher in ihren Fertigbau-Eigenheimen, der Partner, der die eigene Schwester sein könnte, ödet sie an. Letztes Wochenende haben sie alle noch CDU gewählt, doch diesen Sonntag gibt es nichts zu tun. Für Gartenarbeit ist es viel zu kalt draußen und die Dorfkicker sind gerade in der Winterpause.

Ein Kleiderschrank aus Sperrholz

Ich finde mich im einzigen Hotel der Stadt wieder, billig eingerichtet mit Blümchentischdecke und einem Kleiderschrank aus Sperrholz, der bei jedem scharfen Blick in sich zusammen zu fallen droht. Es fehlt mir nicht viel zum eigenen Tod, jede Faser meines Körpers tut weh und so liege ich ganz ruhig auf der durchhängenden Matratze in meinem billigen Hotel.

Das billige Hotel meiner Kindheit

Der Doktor hatte mich gewarnt, schon vor Wochen, hatte mir gesagt, dass es das Beste sei, mich von allem zu verabschieden, was ich jemals geliebt habe. Ich habe ihn nur mit großen Augen angesehen und gefragt:
»Sie verlangen, dass ich mich von mir selbst verabschiede?«
Er hat nur gelacht, seiner alten fetten Sprechstundenhilfe einen unverschämten Klaps auf den Hintern gegeben und mir mit letztlich wieder ernster Miene tief ins Gesicht geblickt.
»Ob sie wollen oder nicht. Die werden wohl oder übel in das billige Hotel ihrer Kindheit zurückkehren müssen.«

Stichworte

The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

Ähnliche Themen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Das könnte Dich auch interessieren

Close
Close