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Weltkulturerbe Völklingen

WELTKULTURERBE VÖLKLINGEN

WELTKULTUR-ERBE VÖLKLINGEN

Weltkulturerbe Völklinger Hütte (Deutschland)
49° 15′ N, 6° 50′ O • 200 m üNN • UTC+2
Völklingen: 39.517 Einwohner  • 67,07 km² • 589 Einw./km²
www.voelklinger-huette.org
16.07.2020

Ein verlassener Ort

Verlassene Orte haben schon von jeher eine gewisse Faszination auf mich ausgeübt. Nun ist die Völklinger Hütte nicht unbedingt ein verlorerener Ort im herkömmlichen Sinne, doch auch von dem ehemaligen Stahlwerk geht eine nicht zu leugnende Faszination aus. Denn auch wenn täglich mehrere hundert Menschen durch das Industriegelände streunen: Das Flair des Verlassenen ist allgegenwärtig.

Die Zeit der Industrialisierung

Die Völklinger Hütte wurde 1873 als Puddel- und Walzwerk gegründet und war zunächst wenig erfolgreich. Bereits 1879 musste Gründer Julius Buch sein Werk schon wieder schließen. Zwei Jahre später kaufte Carl Röchling die stillgelegten Anlagen, baute sie aus und nahm 1883 den ersten Hochofen in Betrieb. Bereits 1890 waren die Eisen- und Stahlwerke Röchling Deutschlands größter Eisenträgerhersteller.

Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg

Wie viele andere Industriestandorte erlebte die Völklinger Hütte ihre dunkelsten Stunden während des Zweiten Weltkrieges. Etwa 14.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion, Polen, Jugoslawien, aber auch aus Frankreich, Belgien und Luxemburg mussten unter schwersten Bedingungen ihre Arbeit verrichten.

Hochzeiten nach dem Krieg

Doch obwohl Stahl und Eisen in der Kriegsmaschinerie der Nazis natürlich eine hohe Bedeutung hatten, erreichte die Hütte ihren Produktionshöchststand erst nach dem Krieg. Bedingt war dies durch den Bauboom der Nachkriegszeit in den 1950er Jahren. Zu dieser Zeit standen fast 20.000 Menschen in der Völklinger Hütte in Lohn und Arbeit.

Schließung in den 1980er Jahren

In den 1970ern Jahren erlebte die Stahl- und Eisenindustrie in Deutschland tiefgreifende Krisen. Billiglohnländer in Asien produzierten Stahl und Eisen wesentlich günstiger und waren mit steigender Mobilität nun auch in der Lage, die eigenen Produkte überall in die Welt zu liefern. Konsequenz war am Ende die Schließung der Völklinger Hütte im Jahr 1986.

Ernennung zum Weltkulturerbe

Bereits kurz nach der Schließung wurden Teile des Industriegeländes unter Denkmalschutz gestellt, sodass ein Abriss oder Rückbau der Hütte, um das Areal neu zu bebauen, nicht mehr möglich war. Also entschied man sich zu nötigen Instandsetzungen, zur Begehbarmachung und nutzte das Areal  fortan als Museum. 1994 wurde das Betreibsgelände der Völklinger Hütte durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Die Höhenangst besiegen

Wer die Völklinger Hütte besichtigen möchte, sollte sich dafür ruhig den ganzen Tag Zeit nehmen. Sprichwörtlich an jeder Ecke gibt es Dinge zu entdecken und allein der Rundweg über das Gelände benötigt mehrere Stunden, wenn man nicht gerade im Dauerlauf über das Areal hetzt. Menschen mit Höhenangst müssen an der ein oder anderen Stelle vielleicht mal die Augen verschließen. So führt auf die obere Ebene zu den Hochöfen nur eine enge und nach allen Seiten offene Treppe. Das ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, doch die Überwindung lohnt sich.

Eine Aussicht, die belohnt

Hat man die oberste Ebene erst einmal erreicht, hat man einen sensationellen Blick über das gesamte Areal. Zudem ist die obere Ebene derart breit und gesichtert, dass man die Höhe schnell vergisst. Beim Abstieg merkt man dann auch, warum man in diesem Bereich der Hütte einen Schutzhelm tragen muss. Die Treppen sind eng und die einzelnen Ebenen mit Sicherheit nicht für Menschen über 1,80m Körpergröße gebaut. Kleiner Tipp: Wer die zügige Treppe für den Aufstieg beim besten Willen nicht übers Höhenangst-Herz kriegt, kann natürlich auch die Treppen benutzen, die eigentlich für den Abstieg gedacht sind. Diese Treppen liegen nicht so frei und vermitteln bei weitem nicht so sehr den Eindruck von Höhe. Allerdings muss man an dieser Stelle natürlich stets mit Gegenverkehr rechnen.

Picknick mitbringen

Wer während seines Rundganges nicht auf Essen und Trinken verzichten möchte, sollte sich eine kleine Ration selbst einpacken. Es gibt zwar am Eingang ein Restaurant und Café, doch ist man erst einmal auf dem Gelände, sieht es in Sachen Stärkung eher mau aus. Das kulinarische Angebot beschränkt sich auf einen Süßigkeiten- und einen Kaffeeautomaten am Eingang in Richtung Hochofen. Hier gibt es auch sehr begrenzte Sitzmöglichkeiten, die allerdings ausschließlich im Freien liegen. Weitere Sitzmöglichkeiten finden sich in der Gebläsehalle – auch hier mit zwei Automaten.

Besichtigung lohnt sich

Für Menschen mit Interesse an Industriedenkmälern und verlorenen Orten lohnt sich ein Besuch der Völklinger Hütte auf jeden Fall. Auch die heutge Atmosphäre lässt einen noch sehr schnell zu dem Schluss kommen, dass man hier nicht hätte arbeiten wollen. Dies macht die Besichtigung jedoch umso interessanter, weil man ja eben weiß, dass dieser Kelch glücklicherweise an einem vorbei gegangen ist.

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