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Ewige Dunkelheit

EWIGE DUNKELHEIT

EWIGE DUNKELHEIT

Ein Junge verschwindet

Es beginnt im Grunde wie ein typischer Thriller. In der fiktiven deutschen Kleinstadt Winden verschwindet ein Teenager spurlos. Die Polizei sucht nach ihm, geht diversen Spuren nach, tappt im Grunde jedoch im Dunkeln. So traurig es ist: Ein Fall wie unzählige andere auch.

Ein Serientäter?

Als nur wenige Wochen später auch der zehnjährige Mikkel plötzlich wie vom Erdboden verschluckt ist, werden die Fragezeichen schon etwas größer. Ist hier etwa ein Serientäter am Werk, der in unregelmäßigen Abständen Kinder und Jugendliche in sein Versteck verschleppt und dort dann Dinge mit den Entführten anstellt, die man sich als Mensch bei geistiger Gesundheit gar nicht vorstellen möchte? Erste krude und geheimnisvolle Bilder aus einer Art unterirdischem Bunker legen dem Zuschauer diesen Schluss durchaus nah.

Das große Ganze

Letztlich braucht man jedoch nur die ersten Folgen der ersten Staffel zu sehen, um zu wissen: Es geht um sehr viel mehr! Das nah an Winden liegende Atomkraftwerk spielt natürlich eine Rolle und auch, wenn man bei den ersten Andeutungen, dass es bei »Dark« um Zeitreisen gehen mag, vielleicht noch die Nase rümpft – wer der Menschen aus der Kleinstadt im Nirgendwo eine Chance gibt, wird mit einer der besten Geschichten belohnt, die je in Deutschland für das Fernsehen produziert wurde.

Keine bekannten Muster

Denn keineswegs geht es natürlich um schnöde Zeitreisen wie wir sie seit »Die Zeitmaschine« (1965) oder »Zurück in die Zukunft« (1985) schon kennen. Es geht nicht um das Verwundern, dass solche Reisen durch die Jahre überhaupt möglich sein sollen. Auch nicht um das Verwundern, wie es in der anderen Zeit denn mal ausgesehen hat oder aussehen wird. Und es geht auch nur vordergründig darum, zu irgendeiner beliebigen Zeit durch eine kleine Tat große Wirkung zu erzeugen und dadurch mitunter ganze Welten zu verändern.

Das kleine Zahnrad in der großen Maschine

»Dark« stellt nie die Frage, ob Zeitreisen überhaupt möglich sind. »Dark« stellt vielmehr die Frage, wer wir alle in diesem ewigen Kreislauf irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft überhaupt sind. Die Serie stellt letztlich die große aller großen Fragen: Können wir durch unsere Entscheidungen überhaupt etwas ändern – oder sind wir einfach nur ein klitzkleines Zahnrad in einer riesengroßen Mechanik, das sich zwar mit dreht, die große Maschinerie jedoch keineswegs zum Stillstand bringt, wenn es mal kaputt geht.

Spannend erzählt

In der Theorie mag das Trocken und philosophisch klingen, doch Jantje Friese und Baran bo Odar erzählen die Ereignisse um diese Fragen in »Dark« derart spannend und durchdacht, dass man als Zuschauer gar nicht anders kann, als irgendwann selbst nach Antworten zu suchen.

Ein 33-jähriger Zyklus

Zwei Staffeln lang herrschte hierbei die Frage nach der Zeit vor, denn wie sich herausstellt, folgen die Vermisstenfälle in Winden einer Art Zyklus, der sich offensichtlich alle 33 Jahre wiederholt. Doch »Dark« verbindet dabei nicht nur geschickt nur die Jahre, sondern lässt sie tatsächlich mehr oder minder gleichzeitig geschehen. Ob man sich nun anno domini 1921, 1986 oder 2019 befindet – im Grunde spielt es ab einem gewissen Zeitpunkt keine Rolle mehr.

Weltweite Anhängerschaft

Kein Wunder also, dass die Serie inzwischen weltweit ihre Anhänger gefunden hat und somit nicht nur in Deutschland auf die am kommenden Samstag (27.06.2020) erscheinende dritte Staffel hingefiebert wird. Mit Sicherheit nicht ganz zufällig stellt Netflix die finalen acht Folgen genau an dem Tag ins Programm, an dem es in Winden zur Apokalypse kommt. Es ist dabei kein Geheimnis, dass das Atomkraftwerk bei dieser Katastrophe alles andere als eine Nebenrolle spielt.

Welche Realität bis du?

Zusätzlich zur Zeitebene öffnet sich in der letzten Staffel jedoch auch noch eine Ebene verschiedener Dimensionen. Das Ende der zweiten Staffel, als die gerade erschossene Martha blutend auf dem Wohnzimmerfußboden liegt und gleichzeitig mit leicht veränderter Frisur auch zur Tür hereinkommt, ließ diese Idee bereits zum Ende der zweiten Staffel aufkommen.

Wo lösen sich die Knoten?

Wie bei allen Erfolgsserien darf und muss man auch bei Dark vor allem auf das Ende sehen. Unzählige Knoten wurden mühselig verzurrt – wie gelingt es den Erzählenden, diese wieder zu lösen? Bei »Lost« oder auch »Game of Thrones« ist dies nur so mittelprächtig gelungen und hat viele Fans letztlich doch unzufrieden zurück gelassen. Diese Serien kamen allerdings auch aus den USA und tragen damit den unerbittlichen Wunsch ihres Heile-Welt-Publikums jenseits des Atlantiks wie ein Damoklesschwert mit sich rum. »Dark« ist eine deutsche Serie und schon der Titel verrät ja durchaus, dass es sich deutsche Filmemacher auch bis ins Ende hinein durchaus auch mal etwas dunkler und schwermütiger gönnen. Man darf also gespannt sein!

Foto: Screenshot Trailer »Dark« (c) Netflix

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