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DiSORDERUNIVERSE

Gewalt erzeugt Gegengewalt

GEWALT ERZEUGT GEGENGEWALT

GEWALT ERZEUGT GEGENGEWALT

Niemand ahnte etwas

Es war in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren. Ich war gerade volljährig geworden und hatte mein Abitur gemacht, als in Europa nach und nach alle Grenzen fielen. Eine Entwicklung, die in ihrer Geschwindigkeit für Viele überraschend kam. Noch im Mai 1989 habe ich meine Abschlussprüfung in Sozialkunde am Gymnasium über die unterschiedlichen Systeme der beiden deutschen Staaten geschrieben. Eine Ahnung, dass all das Abgefragte schon bald Makulatur sein würde, hatte zu diesem Zeitpunkt niemand.

Friedliche Proteste

Das Bemerkenswerte an all den Veränderungen, die in ihrer Summe zur Auflösung des Warschauer Paktes führen sollten: Sie verliefen in den meisten Ländern friedlich.

Aus der Geschichte gelernt?

Natürlich weiß man rückblickend, wie knapp die ganze Sache an einem (vor allem staatlichen) Gewaltausbruch vorbei geschlittert ist, doch damals machte gerade die Gewaltlosigkeit auf deutschem Boden einem jungen Menschen in seinem zwanzigsten Lebensjahr Hoffnung. Hatten ausgerechnet die Deutschen aus ihrer Vergangenheit gelernt? Gewalt erzeugt Gegengewalt und wahre Revolutionen erfolgen friedlich. So zumindest damals meine Gedanken.

Nicht viel übrig

Viel übrig geblieben ist von meiner damaligen Hoffnung, dass wir uns auf dem Weg in eine friedliche Zukunft befinden, nicht. Das zeigen schon allein die Zustände hier im eigenen Land, mit der seit Jahren zunehmenden Gewalt von rechts und der ständigen Brandstiftung durch die AfD.

Pulverfass USA

Das zeigen aber in aller Deutlichkeit auch die momentanen Proteste in den USA. Das Land, das sich gerne rühmt, Gottes eigenes Land zu sein, ist zum Pulverfass geworden. Ein Funke hat ausgereicht, um die Gewalt eskalieren zu lassen. Ein Akt der (Polizei-) Gewalt erzeugt Gegengewalt.

Der beunruhigende Unterschied

Nun sind derartige Proteste in den USA nicht das erste Mal ausgebrochen. Das Problem des Rassismus gibt es in den Vereinigten Staaten (und nicht nur dort) ja nicht erst seit dem Mord an George Floyd. Dennoch gibt es einen Unterschied – und der beunruhigt mich. Standen an der Spitze dieses riesigen Staates auf der anderen Seite des Atlantiks in der Vergangenheit oft Männer, die zumindest in Krisenzeiten ruhig und besonnen handelten und zur Selbstreflexion fähig waren, steht da nun eben ein Donald Trump!

Gewalt ist die Lösung der Schwächeren

Die Mensch gewordene Selbstherrlichkeit, jeder eigenen Hinterfragung unfähig und letztlich immer nur auf einen Vorteil aus: den eigenen. Und auch, wenn man gerade einer solch verabscheuungswürdigen Existenz wie der von Donald Trump nicht einen Millimeter nachgeben sollte: Gewalt ist keine Lösung! Im Gegenteil: Gewalt ist immer die Lösung der Schwächeren. Und dies gilt gerade bei einem Idioten wie dem 45. Präsidenten der USA umso mehr.

Eine Spirale der Gewalt

Wer einen solch begrenzten Horizont wie der Milliardär aus New York besitzt, wird sich nicht scheuen, Gegengewalt mit erneuter Gewalt zu beantworten. Da mag der Mann noch so viel Angst haben, da mag er noch so lächerlich wirken, wenn er sich in seinen Bunker zurückzieht. Das Wort Deeskalation existiert im Wortschatz eines Donald Trumps nicht.

Ein Blick auf die Ursachen

Vielen Menschen in den USA geht es nicht gut. Und wenn ich »nicht gut« schreibe, meine ich das in einem Ausmaß, das man sich in unserem Land nur schwer vorstellen kann. Ohne Hartz IV in irgendeiner Form beschönigen zu wollen: Aber sehr viele Menschen in den USA wären heilfroh, wenn sie wenigstens etwas Ähnliches hätten.

Das Amerika der weißen Oberschicht

Ein Sozialstaat ist jedoch in den USA quasi nicht existent und die mühevollen, anfänglichen Aufbauten seines Vorgängers Barack Obama hat Donald Trump samt sonders längst wieder eingerissen. Wenn der Mann mit seiner lächerlichen Frisur von »Make America great again« faselt, meint er damit das Amerika der reichen weißen Oberschicht. Eine Denkweise, die vor allem eins bringen: Wählerstimmen! Und eine Denkweise, die sich nun rächt.

Der Gewaltakt des Derek Chauvin

Sein Volk steht auf der Straße. Es hat die Schnauze voll. Im Stich gelassen bei der Corona-Bekämpfung wird das Knie von Officer Derek Chauvin auf dem Hals von George Floyd schnell zum unweigerlichen Symbol für die eigene Unterdrückung. Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben, können gefährlich werden. Sie sind das verletzte Tier, das in die Ecke gedrängt wird. Ein intelligenter Präsident wüsste dies und würde mit Besonnenheit und Anteilnahme reagieren, statt sich mit der Bibel in der Hand vor einer Kirche fotografieren zu lassen und gleichzeitig mit dem Einsatz von Militär zu drohen. So wird der Gewaltakt von Minneapolis zum Funken, der die Lunte angezündet hat. Es braucht schnellstens jemanden, der sie löscht, bevor sie das Pulverfass erreicht.

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