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DiSORDERUNIVERSE

Die mit der Angst spielen

DIE MIT DER ANGST SPIELEN

Die Angst als Ur-Problem

Das größte Problem des Menschen ist seine Angst. Jeder Mensch hat sie, mal stärker, mal weniger stark ausgeprägt. Oft tritt sie in Verbindung mit dem Unbekannten auf und bezieht sich entsprechend oft auf zukünftige Ereignisse, bei denen wir nicht wissen, was uns erwartet. Dies zeigt sich z.B. vor Prüfungen an Schule und Universität oder im Beruf. Wir haben Angst, machen uns Gedanken, eben weil wir nicht wissen, welchen Fragen wir uns stellen müssen.

Das Leben und seine Prüfungen

So gesehen, ist auch das Corona-Virus in gewisser Weise eine Prüfung. Denn niemand weiß im Moment, was da noch kommen mag, wie es weitergehen wird und welche Fragen noch aufgeworfen werden. Dies allein reicht, um bei manchen Menschen Angstzustände hervorzurufen.

Zwischen heikel und prekär

Paart sich zu der Angst vor dem Unbekannten dann noch ein maximal gerade so ausreichender Bildungstand, kann es mitunter heikel für alle Beteiligten werden. Angst kann nämlich durchaus ansteckend sein. Kommt dann in Einzelfällen auch noch der Neid hinzu, wird es prekär.

Anfällig für die Angst

Dabei kann und darf man den Menschen ihre Ängste nicht einmal unbedingt übel nehmen. Schlechte Bildung und eher gering ausgeprägte Intelligenz sind zwar mitnichten gleichzusetzen, treten jedoch nicht selten in Tateinheit auf. Beides zusammen macht es den Betroffenen dann jedoch ungleich schwerer, auf die Unwegbarkeiten des Lebens zu reagieren. Wer nur knapp über dem Existenzminimum lebt, ist hierbei besonders anfällig für das Virus Angst. Irgendwo inmitten gesicherter Besitztümer lebt es sich numal unbeschwerter.

Ein unangenehmes Gefühl

Die Frage muss nun natürlich lauten: Was tut ein Mensch, wenn er Angst hat? Klare Antwort: Er will sie – am liebsten so schnell wie möglich – wieder los werden. Denn die Angst ein unangenehmes Gefühl. Steht man also am Anfang einer Prüfung mit einem fast unüberschaubaren Berg an Fragen – was hilft, um die Angst loszuwerden? Richtig: Antworten!

Selbstdarsteller als Experten

Antworten, die seriöse und kluge Menschen nicht geben, bevor sie sich nicht sicher sind, dass ihre Antworten auch belegt werden können. Leider überlassen diese klugen Menschen mit ihrer an sich lobenmswerten Herangehensweise zunächst denen das Feld, die eben nicht erst belegbare Fakten gegeneinander abwiegen und Antworten wohl überlegt formulieren. Die ersten Antworten kommen damit stets von all denen, die sich selbst einfach irgendeinen Blödsinn zusammenschustern und diesen dann lauthals durch die Gegend posaunen. Gemeinhin kann man diese Menschen unter dem Begriff »Selbstdarsteller« zusammenfassen. Seht her, die Politik mit all ihren Experten weiß nicht so recht weiter, aber ich habe nicht nur Antworten, sondern erkläre gleichzeitig auch noch die ganze Welt. Schließlich lässt sich eine über Jahre angelegte Verschwörung, in die Milliarden von US-Dollar gepumpt wird und die höchsten Geheimhaltungsstufen unterliegt, mal eben von jedem um die Ecke kommenden Dorfpolizisten enthüllen – so lange dieser eben kein Schlafschaf ist.

Um der eigenen Vorteile Willen

Doch ganz egal, ob die Dorfpolizisten nun Jebsen, Hiltmann, Naidoo heißen oder ihre eigene politische Karriere in der AfD befeuern: Diese Menschen brüllen und posaunen nur aus einem einzigen Grund: aus Kalkül. Und sie tun dies nicht nur am lautesten, sondern bewusst auch jenseits irgendwelcher belegbarer Fakten. Sie tun es, weil sie sich Vorteile davon versprechen. Weil sie Kochbücher oder Platten verkaufen wollen und ihren Fans damit das tolle Gefühl vermitteln: Wenn ich dieses Buch oder diese CD kaufe, bin ich etwas Besonderes. Ich gehöre nicht zum Mainstream.

Der Strom der Dummen

Liebes Opfer – es sei Dir ins Gebetbuch geschrieben: Du bist sehr wohl Mainstream. Mittendrin im Strom der Dummen. Mittendrin in der Flut unzähliger Menschen, die jeden Mist glauben, nur um dieses Scheißgefühl der Angst loszuwerden. Du bist das Opfer, aber wenigstens fühlt es sich gut an. Zumindest so weit, wie Du es mit Deinem begrenzten Horizont beurteilen kannst.

Broterwerb bleibt Broterwerb

Da mag Dir ein Herr Jebsen noch so sehr erzählen, dass seine verschissene Internetplattform der einzig wahre Bürgerjornalismus sei – der Mann lebt von den Klicks auf seiner Seite und unterscheidet sich in seinem Broterwerb nicht im geringsten von jedem Spiegel- oder BILD-Redakteur.

In dieser Hinsicht kaum Unterschiede

Und auch der AfD-Politiker startet seine Agitationen nicht etwa, weil er an die neue Weltordnung glaubt, sondern weil ihn jede Wählerstimme dem Einzug in irgendein Parlament – und damit einem fürstlichen Gehalt – näher bringt. Genausowenig wie sich Herr Jebsen also von Julian Reichelt unterscheidet, genauso wenig unterscheidet sich der AfD-Politiker zumindest in dieser Hinsicht von denen der CDU/CSU.

Das liebe Geld

Am Ende geht es dann doch immer nur um das liebe Geld und es gibt Menschen auf dieser Welt, die haben die Gabe mit den Ängsten anderer Menschen zu spielen. Manche nutzen dies zum Guten und suchen nach echten Antworten und vor allem Lösungen. Das wirklich Schlimme an Kotzbrocken wie Jebsen und Co. ist: Sie nutzen die Gabe für ihre ganz eigenen Vorteile.

Placebos gegen die Angst

Die Ängste der Menschen sind ihnen egal. So lange die eigene Kasse klingelt, verkaufen sie Placebos in Form von Weltverschwörungen und »Wach auf!«-Weckrufen. Das lindert den anfänglichen Schmerz, bekämpft die eigentliche Krankheit jedoch nie. Oder hat bei den Damen und Herren Weltverschwörern schon mal jemand vernommen, wie es nach dem Aufwachen dann mal weitergehen soll?

Märchenerzähler und Angstjongleure

An dieser Stelle von Verschwörungstheoretikern zu sprechen verbietet sich also schon allein deshalb, weil es impliziert, dass es zu der Theorie auch eine Praxis gibt und die Damen und Herren Agitatoren auch nur den geringsten Schimmer von dem hätten, was sie da an Märchen verbreiten. In Wirklichkeit sind sie jedoch eben nicht mehr und nicht weniger als die, die mit der Angst spielen. Sie sind es, die diese Angst als Instrument einsetzen. Nennen wir sie also beim Namen: Märchenerzähler! Meinetwegen noch Angstjongleur. Dies würde dann jedenfalls auch den Menschen mit begrenztem Horizont vielleicht zumindest so eine Art Idee vermitteln, wem sie die Therapie ihrer Ängste da zu Füßen legen.

Für weitere Vorschläge und Ideen dürften die seriös geführten Redaktionsstuben unserer Republik sicherlich dankbar sein. Schwindeltherapeuten trifft es vielleicht auch noch in etwa.

Am Ende hilft nur eine Sache

Bleibt am Ende die auch von den Politikern immer wieder hilflos gestellte Frage: Was machen wir mit dem Chor? Mit den Mitläufern? Mit all den verwirrten Wutbürgern ohne jede Fähigkeit selbständig zu denken? Nun, da man an der Intelligenz nur wenig drehen kann, muss man sich eben um die Faktoren kümmern, die beeinflussbar sind. Und hier kann und darf die Antwort auf die Frage, was man denn tun könne, eigentlich nur heißen: Man statte die Menschen endlich wieder mit Bildung aus!

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