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Ostern 2020

OSTERN 2020

Denkwürdige Ostertage

Wahrlich, dieses Ostern 2020 werden wir alle nicht so schnell vergessen. Seit vier Wochen verstecken wir uns vor einem klitzekleinen Virus zu Hause, uns fällt die Decke auf den Kopf. Draußen hat der Frühling Einzug gehalten und wir müssen uns jeden Weg vor die Tür dreimal überlegen. Das Leben kann schon ganz schön hart sein.

Ganz andere Probleme

Aber seien wir froh. Wir haben zumindest noch ein Leben. Wir haben ein Dach über dem Kopf, eine Wohnung, die sicher ist und wenn wir halbwegs gut geplant haben, sind Kühlschrank und Vorratskammer gut genug gefüllt, dass wir über die Feiertage keinen Hunger leiden müssen.

Seien wir auch froh, dass wir gesund sind. Viele Menschen sind es nicht. Es wird gestorben, am Virus und an anderen Ursachen. Der Tod macht keine Pause, nur weil Ostern ist.

Die Zwänge unserer Gesellschaft

Natürlich geht dieses Ostern mit all seinen einschränkenden Begleiterscheinungen nicht spurlos an uns vorbei. Wir alle sind Teil der Gesellschaft, in der wir leben und den Zwängen dieser Gesellschaft zumindest in einem gewissen Rahmen ausgesetzt. Die Miete will bezahlt, Kredite abgestottert werden. Der Job, den wir mitunter sogar gerne machen, ist in Gefahr. Vielleicht sogar die über Jahre mit viel Blut und Schweiß aufgebaute Selbständigkeit. Das ist alles andere als angenehm und drückt aufs Gemüt.

Was bringt die Zukunft?

Gerade jedoch in dieser Situation hilft es dann wenig oder ist sogar kontraproduktiv, wenn man sich den ganzen Tag nur mit dem beschäftigt, was wann und in welcher Form in nächster und in ferner Zukunft geschehen wird. Wie wird es unserer Wirtschaft ergehen? Wird sich unsere Gesellschaft grundlegend verändern? Wann gibt es endlich einen Impfstoff? Und wann dürfen wir wieder raus, wieder ins Kino, in Kneipen, auf Festivals gar oder in Fußballstadien?

Quält Euch nicht!

All jenen, die diese Fragen nun stellen und noch viel mehr all jenen, die jetzt schon versuchen, Antworten auf diese Fragen zu geben, möchte ich zurufen: Quält Euch doch nicht. Was ihr da veranstaltet ist ein Fischen im Trüben, reiner Humbug, der Euch am Ende des Tages noch mehr aufs Gemüt schlagen wird als es all die anderen Dinge ohnehin schon tun.

Eine ungewisse Zukunft

Selten war unsere Zukunft ungewisser als zu Ostern 2020. Daran werden wir uns erinnern. Aber was sollte man tun, wenn die Zukunft unsicher ist? Richtig: Sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Den Tag genießen, das Beste aus der Situation machen. Einfach gesagt, schwer getan – ich weiß. Aber wer es nicht wenigstens versucht, hat schon verloren. Und mag der ein oder andere vielleicht auch denken, dass ein planloses Leben nicht so ganz sein Fall ist – denk mal drüber nach, wie planmäßig Dein bisheriges Leben so verlaufen ist.

Das Ende der Komfortzone

Natürlich richten wir uns alle gerne in unserer Komfortzone ein und ziehen ein sorgenfreies Leben dem echten Leben vor. Aber haben wir alle nicht immer für alles irgendwie eine Lösung gefunden? Haben wir alle nicht auch nach dem schlimmsten Rückschlag irgendwann wieder gemerkt: Das Leben geht weiter?! Und als Du den neuen Job angetreten hast, als Du angefangen hast, Dein Business aufzubauen – hat es Dich da interessiert, ob die Wirtschaftsweisen gerade mit dem Daumen nach oben oder nach unten zeigen?

Du bist der Fels in der Brandung Deines Lebens

Der Mensch lebt sein Leben, jeden einzelnen Tag. Da sind bessere Tage dabei und da sind schlechtere Tage dabei. Sicher ist: So lange Du am Leben bist, hat es bisher kein Tag geschafft, Dich umzubringen. Du bist härter als die schlechtesten Tage, die Du in Deinem Leben bisher hattest. Du bist zäh wie Leder, der Fels in der Brandung Deines eigenen Lebens. Du wirst für Alles eine Lösung finden – egal, was da noch kommen mag.

In China hat es drei Monate gedauert

Ostern 2020 ist das Ostern, an das wir uns auch in vielen Jahren noch erinnern werden. Der Drang zurück in unser früheres Leben ist groß – wird aber weiter unterdrückt werden müssen. In Huwei in China diskutieren sie gerade darüber, die Schulen wieder zu öffnen – fast drei Monate nachdem man sie geschlossen hat. Die Angst vor einem erneuten Anstieg der Zahlen schwingt dort noch immer mit. Zumal es in Südkorea erste Fälle von Leuten gibt, die zum zweiten Mal an COVID-19 erkranken. Von garantierter Immunität nach überstandener Infizierung also keine Spur.

Wir sind noch immer am Anfang

Ostern 2020 ist für viele Menschen ein ganz besonderes Wochenende. Das übliche Familienfest fällt aus, der Weg in die Kirche ebenfalls. Ostern 2020 wird im Rückblick jedoch nur eins von vielen Wochenenden gewesen sein, an dem wir uns zu Hause verstecken mussten. Und ganz bestimmt wird es kein Wochenende am Ende aller Einschränkungen gewesen sein.

Von Tag zu Tag denken

Unsere Politiker tun sicher gut daran, wenn sie nach Ostern erste Maßnahmen im vorsichtigen Try-And-Error-Verfahren wieder lösen – und entsprechend bei Bedarf eben wieder anziehen. Kein Mensch hat eine solche Situation bisher erlebt. Es gibt also kein Patentrezept, keine Erfahrungswerte, auf die man sich verlassen kann. Auch die Politiker können im Moment nur von Tag zu Tag denken und beschließen. Öffnen wir zuerst die kleinen Läden wieder. Die Leute haben inzwischen begriffen, dass sie Abstand halten müssen und mitunter eben nur zwei Leute in den Laden dürfen. Und wenn wir sehen, dass die Leute doch nicht begriffen haben, müssen die Läden eben wieder dicht gemacht werden.

Genießen wir den Tag

Planbar oder garantiert ist an Ostern 2020 nur sehr wenig. Konzentrieren wir uns also zumindest für das verlängerte Wochenende mal darauf, den Tag trotz aller Widrigkeiten zu genießen und es uns so gut gehen zu lassen, wie es nur irgendwie geht. Und wir werden sehen: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Irgendwann geht der Knoten auf und wir finden Gefallen an den kleinen Dingen, die wir uns selbst gönnen. Wir werden es mehr und mehr mögen, unser Leben zu entschleunigen. Wir werden von Tag zu Tag geübter darin, nicht mehr so viel über eine ungewisse Zukunft zu grübeln, sondern das Hier und Jetzt, den Tag als solchen zu genießen.

Das normale Leben

Und irgendwann nach Ostern 2020 werden wir dann überlegen: Eine Rückkehr in unser altes, normales Leben – wollen wir das so überhaupt? War diese Hektik, diese Oberflächlichkeit, das Atemlose das normale Leben, das wir wollen? Oder sollte ein normales Leben nicht vielleicht doch ganz anders aussehen?

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