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Verlorene Mädchen

VERLORENE MÄDCHEN

VERLORENE
MÄDCHEN

Vermisste Prostituierte

Im Jahr 2010 wurden auf Long Island, der großen Ferieninsel vor New York City, die vergrabenen Überreste von vier Frauen gefunden. Junge Frauen, deren Identität schnell geklärt war, denn es handelte sich um vermisste Prostituierte aus der Region. Die Netflix-Produktion »Lost Girls« wirft einen Blick auf diese bis heute nicht aufgeklärte Serie von Leichenfunden. Heute geht man davon aus, dass der sog. Long-Island-Killer zwischen zehn und 16 Frauen auf dem Gewissen hat.

Menschen zweiter Klasse

Eine dieser Frauen ist Shannan Gilbert, die trotz anders lautender Ankündigung nicht zum Abendessen bei ihrer Mutter Mari (Ami Ryan) auftaucht und fortan als vermisst gilt. Da auch Shannan sich als Escort-Girl ihr Geld verdiente, halten sich die Bemühungen der Polizei, die junge Frau zu finden, sehr in Grenzen. Und das obwohl es die Aufzeichnung eines längeren Notrufes gibt, in dem Shannan offensichtlich um Hilfe ruft. Erst als im Laufe der Suche eher durch einen Zufall die oben beschriebenen Leichen am Ocean Parkway gefunden werden, gerät Bewegung in die Sache.

Mehr Drama als Thriller

»Lost Girls« ist dabei weniger klassischer Thriller, der sich mit der Suche nach dem Täter beschäftigt, als vielmehr ein fast klassisches Drama, das sich mit der Situation der Hinterbliebenen beschäftigt. Was macht es mit den Müttern, Schwestern und Freundinnen, wenn ein geliebter Mensch verschleppt oder gar getötet wird, die Polizei in den Ermittlungen jedoch einen Fehler nach dem nächsten begeht und sich offensichtlich mehr als wenig um das Schicksal der jungen Mädchen schert?

Getragen von Trostlosigkeit

Der Film von Liz Garbus betont dabei die Trostlosigkeit, in der sich vor allem die Protagonistin bewegt. Mari Gilbert ist sich bewusst, dass sie nicht unbedingt die beste Mutter für ihre älteste Tochter Shannan gewesen ist. Viele Dinge liefen nicht so, wie sie es sich gewünscht hätte, waren jedoch nicht selten auch äußeren Umständen geschuldet.

Schuldgefühle treiben sie an

Dennoch plagen sie natürlich Schuldgefühle, die sie nun nach dem Verschwinden ihrer Tochter umso mehr vorantreiben. Es liegt dabei schon fast in der Natur der Sache, dass sie an gewissen Punkten über das Ziel hinausschießt. Zumal es für Mari auch heißt, die Waage zu halten. Denn sie hat noch zwei weitere Töchter, die sie als Mutter brauchen und denen sie Halt geben muss. Schließlich haben die beiden Teenager gerade ihre Schwester verloren.

Fokus auf dem Zwischenmenschlichen

Regisseurin Liz Garbus schaut also genauer hin, legt den Fokus auf die zwischenmenschlichen Beziehungen der Mutter, die ihre Tochter verloren hat. Die Frage, wer ihr die Tochter genommen hat, gerät dabei zwar in den Hintergrund, bleibt jedoch trotzdem omnipräsent. Kein Leichtes, diese Waage zu halten – zumal auf große Show-Effekte bewusst verzichtet wird. »Lost Girls« gelingt das Kunststück, eine spannende Geschichte ohne gesetzte Cliffhanger zu erzählen und ist deshalb ein sehenswerter, wenn auch unspektakulärer Film.

Lost Girls
3.5/5

Lost Girls (USA 2020), R. Liz Garbus, D. Amy Ryan, Gabriel Byrne, Thomasin McKenzie, 95 Minuten, ab 13.03.2020 bei Netflix

Foto: Screenshot Trailer

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