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DiSORDERUNIVERSE

Stoppt den Mist!

STOPPT DEN MIST!

Die Pandemie kommt

In Zeiten pandemischer Bedrohungen gibt es mit Sicherheit einfachere Jobs als den des Politikers. Fast täglich sitzt ein Jens Spahn inzwischen zusammen mit den unterschiedlichen Wissenschaftlern bei der Bundespressekonferenz und informiert über den Stand der Dinge in Sachen Corona. Die Lage ist ernst und bedarf klarer Vorgaben und doch kann der Mann von Gesetz wegen im Grunde nur appellieren.

Was ist angebracht?

Sollen Schulen geschlossen werden? Büros dichtgemacht? Veranstaltungen abgesagt werden? Und wenn ja – ab welcher Veranstaltungsgröße sagt sich das Virus: Ach, lohnt sich für mich eigentlich nicht wirklich, dass ich da vorbeischaue…? Und überhaupt? Was ist mit den blechgewordenen Virus-Zentrifugalschleudern – auch öffentliche Verkehrsmittel genannt?

Den Fußball ins Mark getroffen

Bei allem Diskussionen darüber, ob unsere Regierung nun richtig oder falsch, zu schnell, zu langsam oder zu gar nicht handelt – es ist doch bemerkenswert und mehr als treffend, dass so ein kleines Virus gerade der Deutschen Lieblingssport bis ins Mark trifft. Fußballspiele mit Zuschauern auf den Rängen wird es in den kommenden Wochen zumindest hierzulande wohl nicht mehr geben.

Eine richtige Entscheidung

Eine richtige Entscheidung, wie ich finde. Eine Entscheidung für das Leben unserer älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger, unserer Kranken und Schwachen. Die Behörden haben bis zu diesem Punkt ihre Hausaufgaben gemacht.

Und wer kommt mal wieder nicht hinterher?

Wer mit seinen Hausaufgaben aber mal wieder hinterherhinkt? Die Herren Fußball-Funktionäre. Zwar hat man beim DFB gedankenschnell zumindest in Liga drei reagiert und zumindest die nächsten beiden Spieltage abgesagt, doch als seien die Beschlüsse der Behörden nun vollkommen überraschend gekommen, flüchtet man sich bei den Verbänden in allen höheren Klassen nun also in Geisterspiele. Show must go on – der Terminplan ist eng gesteckt und scheiß doch auf die Stimmung in den Stadien. So lange beim Pay-TV der Rubel rollt, ist die Fußballwelt doch im Grunde noch in Ordnung.

Nichts ist in Ordnung

Dass dem keineswegs so ist, hat sowohl das Wiederholungsspiel der Bundesliga zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1.FC Köln, als auch das Rückspiel im Champions League-Achtelfinale zwischen PSG und Borussia Dortmund am Mittwochabend gezeigt. Bei beiden Partien kam es in Stadionnähe zu genau den Menschenansammlungen, die durch die Geisterspiele eigentlich vermieden werden sollten. Die Gefahr wurde also keineswegs gebannt, sondern lediglich verlagert – und so lange die Spieler der siegreichen Heimmannschaft nach dem Spiel – wie in Mönchengladbach – dann nichts Besseres zu tun haben, als vom Stadionbalkon runter mit ihren Fans zu feiern, wird sich an den Massen vor den Stadien auch nichts ändern.

Das ist Fußball

So lange die Spiele stattfinden, wird es Menschenmassen geben, die sich irgendwo treffen, um gemeinsam das eigene Team zu sehen. Das ist mit Verstand nicht zu erklären, aber Fußball ist eben Herzenssache und sowieso nur selten mit dem Verstand zu erfassen.

Für DFB und DFL muss, kann und darf es daher nur eine Lösung geben: Sagt die Spiele ab!

Seid kreativ

Und wenn ihr in Eurem durch Gier vollgestopften Kalendern keine Termine mehr findet, die Saison ordentlich zu Ende zu bringen, dann bringt sie wenigstens unordentlich oder gar unorthodox zu Ende. Die Zeit für Experimente – auch in Sachen zukünftiger Erlösquellen – war selten so günstig.

Die EM findet nicht statt

Spielt den Meister kurz nach der sowieso ausfallenden, weil über den ganzen Kontinent verteilten EM, ist einer kurzen Play-Off-Runde unter den ersten Vier aus. Setzt den Abstieg in Bundesliga und zweiter Liga aus und spielt in der kommenden Saison mit 20 Teams (geht ja in den anderen Ländern auch). Die Aufsteiger könnte man entweder parallel zum Meister-Play-Off ausspielen oder man nimmt halt die Beiden, die jetzt oben stehen. »A little bit lucky« kann man das frei nach Lothar Matthäus dann zwar nennen, spätestens in zehn Jahren kräht da aber kein Hahn mehr danach.

Und noch eine Idee

Um es mal auf die Spitze zu treiben – und dann, liebe Funktionäre, dürft Ihr Euch wieder die Köpfe zerbrechen: Meine persönliche Lieblingslösung wäre übrigens der Reset-Knopf. Wir fangen nächste Saison einfach mit den 16 Mannschaften wieder in der Bundesliga an, mit denen wir 1963 schon einmal erfolgreich in die Zukunft gestartet sind. Darunter bauen wir die Regionalligen wieder auf – die Fans müssten nicht mehr so viel reisen und das Corona-Virus hätte schon mit der kommenden Saison ernsthafte Verbreitungsschwierigkeiten.

Das kann alles nicht ernst gemeint sein

Selbstverständlich ist dieser letzte Vorschlag nicht unbedingt ernst gemeint. Es kann und darf von den Funktionären jedoch auch nicht ernst gemeint sein, diesen Affenzirkus mit den Geisterspielen wirklich bis zur Sommerpause so durchziehen zu wollen!