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Ein Paradebeispiel an Größenwahn

EIN PARADEBEISPIEL AN GRÖSSENWAHN

EIN PARADE
BEISPIEL AN GRÖSSENWAHN

Wie in München und Uerdingen

Wenn es überhaupt noch eines Beispieles bedurft hätte, was ein Investor in einem Fußballverein so arichten kann: Die alte Dame Hertha aus Berlin liefert mit der Posse um Jürgen Klinsmann dieser Tage ein Paradebeispiel dafür ab. Mit dem Einstieg von Finanz-Jongleur Horst Windhorst ist rund um das Olympiastadion der Größenwahn ausgebrochen. Doch ähnlich wie bei den Löwen in München oder beim KFC in Uerdingen bleiben die Verantwortlichen bisher den Beweis schuldig, mit diesem Größenwahn auch nur annähernd umgehen zu können.

Ein Schattendasein

Dabei war doch in Berlin eigentlich über viele Jahre immer alles in Ordnung. Man führte ein Schattendarsein am westlichen Rande der Hauptstadt, dümpelte dem eigenen Image entsprechend irgendwo im Mittelfeld der Liga herum und war umgefähr genauso viel Berlin wie – sagen wir mal – Spandau.

Doch dann kam Union

Dann passierte es jedoch, dass am anderen Ende der Stadt plötzlich das lange Bemühen und die Geduld von Union mit dem Aufstieg in die Bundesliga belohnt wurde. Zwar ist Köpenick ungefähr genauso viel Berlin wie Spandau, doch Nebenbuhler sind auch dann gefährlich, wenn am anderen Ende des eigenen Einzuggebietes wohnen. Herrn Windhorst war also quasi Hof und Tür bereits geöffnet, noch ehe er überhaupt geklingelt hatte.

Ab in die ChampionsLeague

Von nun an sollte es also bergauf gehen mit der Hertha. Das graue Mittelfeld sollte möglichst schnell Geschichte sein. In Europa wollte man sich präsentieren, gerne in ein paar Jahren auch in der ChampionsLeague. Schließlich gehören Hauptstadtclubs ganz nach oben und wie das bei Investoren in den ersten Gesprächen immer so ist: Geld spielt dabei keine Rolle. Entweder man hat es und kauft sich dafür die einfach die Welt oder man ist eben ein Provinzclub am Rande einer großen Stadt.

Neue Namen müssen her

Große Vorhaben brauchen allerdings auch große Namen und – Entschuldigung- wie heißt der Mann dort an der Seitenlinie nochmal? Kennt den außerhalb von Spandau noch jemand? Nein? Ach, so… Ist er denn dann wenigstens erfolgreich? Auch nicht? Mmh… Wie wäre es dann mit jemandem, der genauso groß denkt, wie wir? Ich hätte da so eine Idee…

Der Sonnyboy aus Kalifornien

Und schon hat man in Berlin… äh, Spandau… einen neuen Mann an der Seitenlinie. Einen Mann, der schon beim FC Hollywood in München erstmal alles umgekrempelt hat, um dann doch zu scheitern. Einen Mann, der sich als Spieler immerhin Weltmeister nennen darf, als Teamchef der Deutschen Nationalmannschaft jedoch nachweislich von seinem Co- und Nachfolger Joachim Löw profitiert hat.

Kein Vereinstrainer

Jürgen Klinsmann mag ein Sonnyboy sein, der viele Ideen hat und durchaus das Charisma, diese auch zu präsentieren. Seine Erfolge als Trainer jedoch sind mehr als übersichtlich. WM-Dritter beim Sommermärchen. Den GOLD CUP hat er mit der Nationalmannschaft der USA gewonnen. Und auf Vereinsebene?

Endlich wieder in den Schlagzeilen

Die Verantwortlichen der Hertha hätten also durchaus wissen können, wen sie sich da ins Boot holen. Doch was will man machen, wenn der gerade neu gewonnene Investor große Stücke auf den Sonnyboy aus Kalifornien hält? Und das erste Etappenziel war mit der Vorstellung und Arbeit von Jürgen Klinsmann schließlich erreicht: Man sprach endlich wieder über die Hertha.

Große Namen in der Winterpause

Erste Fragezeichen tauchten dann in der Winterpause auf. Namen für mögliche Transfers wurden gehanndelt.  Namen, bei denen einem schwindelig werden konnte und bei denen man sich tatsäcchlich fragen musste: Spricht man hier noch von der Hertha oder von einem aktuellen Anwärter auf den ChampionsLeague-Titel?

Die Realität sieht anders aus

Groß denken war angesagt, doch unter dem Strich kam dann ein mittelmäßiger Stürmer vom einst so großen AC Mailand, ein Brasilianer, der in Leipzig nicht so recht Fuß fassen konnte und ein Argentinier vom Zweitligisten VfB Stuttgart. Groß denken war angesagt, sieht letztlich jedoch anders aus.

Die Flucht nach vorne

Genau dies dürfte auch einem Jürgen Klinsmann irgendwann gedämmert haben und spätestens nach einem mehr als dürftigen Start in die Rückrunde wird ihn die Frage umgetrieben haben, was eigentlich passiert, wenn er mit seinen hohen Ansprüchen im provinziellen Spandau scheitert? Nun, letztlich hat er genau das getan, was Männer mit Größe in solch einer Situation eben tun: sie fliehen. Lieber ein Abschied mit Schrecken, als irgendwann vom Hof gejagt zu werden. Und wer die Ironie findet, darf sie behalten.

Es folgt die Schlammschlacht

Ein Zeichen dafür, dass das Großdenken bei der Hertha inzwischen verinnerlicht wurde, zeigen die Geschehnisse nach der Trennung. Es ist nicht etwa so,  dass man sich nun wieder auf das Tagesgeschäft konzentriert. Nein, natürlich muss auch die Schlammschlacht danach groß gedacht werden. Also kommt der Schlag unter die Gürtellinie von Herrn Klinsmann. Das Manifest eines Größenwahnsinnigen – das jedoch wie jedes Pamphlet auch die ein oder andere gut versteckte Wahrheit enthalten dürfte. Das Probem dabei: Nimmt man schon nur allein diesen klitzekleinen Krümel Wahrheit, kann einem um die Hertha Angst und Bange werden.

Fehlende Souveränität

Ein Nachtreten á la Jürgen Klinsmann geht gar nicht und zumindest für die nächsten paar Jahre dürfte der Schwabe damit im deutschen Fußball ähnlich Lothar Matthäus uneinstellbar sein. Doch auch die Reaktionen auf diesen Nackenschlag zeugen von fehlender Souveränität bei der alten Dame. Und da darf man sich dann schon einmal fragen, wo diese fehlende Souveränität herkommt. Jemand, der sich seiner Sache sicher ist, kann schließlich auch mal  über den Dingen stehen und möglichst unaufgeregt zu Tagesordnung übergehen.

Stimmunsgrab Olympiastadion

Stattdessen meldet sich jedoch Investor Lars Windhorst zu Wort und versucht in absurdester Weise von den Klinsmann-Diskussionen abzulenken. Also wird das leidige Stadionthema wieder aus der Schublade geholt. Wir erinnern uns: Das Olympiastadion fasst etwas über 80.000 Zuschauer und ist bei einem Großteil der Anhängerschaft unbeliebt, weil es nur zu Bayern-Gastspielen voll wird und in der restlichen Saison selbst bei 45.000 Zuschauern als Stimmungsgrab gilt.

Neunzig- statt Achtzigtausend

Zum Glück jeodch hat die Hertha den Herrn Windhorst und der zeigt den Verantwortlichen mal eben, wo der Hammer hängt. Eine Arena für 90.000 Zuschauer will er nun bauen. Klingt logissch. Wenn das existierende Stadion schon zu groß ist, baut man eben ein neues Stadion, das noch größer ist. Schließlich soll bei bevorstehenden Drittliga-Duellen gegen 1860 München, den KFC Uerdingen oder auch den 1.FC Kaiserslautern zumindest der Rahmen stimmen. 90.000 Plätze für 20.000 Zuschauer. Viel größer kann man gar nicht denken.

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