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DiSORDERUNIVERSE

Eine große Band in einer großen Arena

EINE GROSSE BAND IN EINER GROSSEN ARENA

Ich lag am Boden

Es ist schon ein paar Jahre her, da habe ich auf dieser Seite ein Lebenszeichen gesendet, obwohl ich im Grunde eigentlich am Boden lag. Ich lag am Boden, weil es mich umgehauen hatte. Weil ich etwas gesehen hatte, das ich zuvor so noch nicht kannte. Weil ich etwas gesehen hatte, das ich so und in dieser Form nicht erwartet hatte. Und das mich genau aus diesem Grund einfach mal eben umgehauen hatte…

Im Februar 2015 hatte ich Slipknot in der Schleyer-Halle in Berlin live gesehen – jene Band, bei der man nicht so ganz genau weiß, ob man sie noch dem NuMetal zuordnen soll oder ob die Männer aus Iowa eben ganz allein für sich stehen.

An meinem Geburtstag

Jener Konzertbesuch vor vier Jahren war das zweite Mal, dass ich die Maskenmänner live auf der Bühne verfolgte. Das erste Mal war im Jahr 2009 und bis heute bin ich mir nicht so ganz sicher, ob ich damals so euphorisiert und – ja, sagen wir es ruhig – besoffen wieder aus der Arena Treptow getorkelt bin, weil das Konzert genau an meinem Geburtstag war, oder ob Corey Taylor mich schon damals so begeistert haben. Wenn man trinkt, leidet die Erinnerung und so blieb vob diesem ersten Konzert vor allem das magische Schlagzeug-Solo von Joey Jordison hängen. Fest an seinen Recaro-Sitz gegurtet, drehte sich das Podest mit seinem Drumset erst um die eigene Achse in die Höhe und stellte sich danach senkrecht auf. Joey Jordison trommelte also praktisch in der Vertikalen.

What the F***

Sechs Jahre später glich das Konzert in der Schleyer-Halle einem Metal-Horror-Musical. Auf der zweigeschossigen Bühne irrwischten neun verrückte Männer und als Zuschauer wusste man oft gar nicht so recht, wo man zuerst hinschauen sollte. Frontmann Corey Taylor hatte das Publikum fest in seiner Hand und wer sich jetzt noch einmal einen Rückblick mitsamt Video gönnen möchte, kann das hier tun: [What the F***]

Der Aufstieg ging weiter

Weitere fünf Jahre später sind Slipknot inzwichen eine der größten Bands weltweit. Kein Wunder also, dass es für das Konzert dieses Mal die Mercedes-Benz-Arena in Friedrichshain sein musste. Wer das Monster einer Halle an der East-Side-Gallery kennt, weiß jedoch, dass die Band dringend mal mit ihrem Management reden muss. Die Arena mag ideal für Eishockey- oder Basketball-Spiele sein – für Konzerte ist sie es nicht.

Ein einziger Brei

Den Beweis lieferte dann auch prompt der Sobundmatsch, der mit den ersten Liedern aus den Boxen schepperte. Es dauerte also, ehe der Funken übersprang. Schlechter Sound, keine Atmosphäre – eine Mammutaufgabe, an der so manche Band scheitern würde. Nicht so Slipknot. Corey Taylor und seine Mitstreiter wissen nach über 25 Jahren Bandgeschichte, dass sie sich auf ihre Fähigkeiten verlassen können und da auch der Tonmensch schnell und gut reagiert, nimmt die Show schließlich ihren erwarteten Verlauf.

Routine auf hohem Niveau

Slipknot rocken, das Publikum feiert – unter dem Strich kann man das dann »routiniert, aber geil«. Überraschungen blieben aus, tief gehende Gänsehautmomente ebenfalls. Slipknot hatten sich nach den Problemen der ersten Songs schnell auf ein hohes Level eingepegelt und hielten diese Spannung knapp unter der Klippe des Maximums. Was fehlte, war der Sprung, der Flug ins Ungewisse, die Risikobereitschaft. Slipknot wissen, was sie können und haben sich an diesem Abend nach meinem Geschmack etwas zu sehr darauf verlassen.