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DiSORDERUNIVERSE

Geht’s noch?

GEHT'S NOCH?

Fremdschämen ist angesagt

Manchmal kann man sich doch wirklich nur an den Kopf fassen und sich fragen: Was geht in den Köpfen unserer Damen und Herren Politiker eigentlich so vor sich? Im Falle des frisch gewählten thüringischen Ministerpräsidenten und derer, die ihn im Erfurter Landtag gewählt haben, kann man da im Prinzip nur zu dem Schluss kommen: Gar nichts.

Wer Scheiße  baut, muss mit Gegenwind rechnen

Oder haben die Damen und Herren von der FDP und CDU wirklich allen Ernstes gedacht, sie kommen mit ihrer Trickserei rund um die Abwahl Bodo Ramelows ungeschoren davon? Wer sich mit den Stimmen ausgewiesener Nazis ins Amt wählen lässt, muss doch bei halbwegs gesundem Menschenverstand zumindest mit Gegenwind rechnen. Wenn sich Herr Kemmerich am Abend dann jedoch noch hinstellt und im ARD-Brenmnpunkt von den Reaktionen überrascht zeigt, sitzt man spätestens dann als Otto-Normalbürger vor dem Fernseher und fragt sich: In welcher Welt leben diese Menschen eigentlich? Sind unsere Politiker inzwischen so weltentrückt, dass sie überhaupt nichts mehr mitkriegen? Ist die Blase inzwischen zur undurchlössigen Mauer geworden?

Am Nasenring durch die Arena geführt

Von Damm- oder Tabubruch war die Rede. Die Vertreter fast aller Parteien echaufierten sich, während sich die AfD-Schergen ins Fäustchen lachten. Ausgerechnet der Vertreter der FDP – einer Partei, die mal eben so überhaupt den Einzug in den Landtag geschafft hatte – wird zum Ministerpräsidenten gewählt. Unsere Demokratie wird nicht nur ad absurdum, sondern gleich am Nasenring durch die Arena geführt. Die AfD freut sich, Linken, Grüne und SPD empören sich und bei CDU und FDP versuchen sie ernsthaft, zu besänftigen. Das eigentliche Ziel ist schließlich erreicht: Bodo Ramelow ist abgewählt. Und als Linken-Politiker ist dieser doch bestimmt mindesten genauso schlimm, wie die Damen und Herren vom rechten Flügel.

Der Zweck heiligt die Mittel

Für die Wähler mit halbwegs gesundem Menschenverstand bleibt am Ende leider wieder mal nur die traurige Erkenntnis, dass in der Politik der Zweck inzwischen ganz oft selten die Mittel heiligt. Bodo Ramelow ist nicht mehr Ministerpräsident und über die Kollateralschäden wird die Zeit Gras wachsen lassen. Ein Denken, das gefährlich ist. Ein Denken, das bei nicht wenigen Menschen genau das Gegenteil von dem bewirkt, was vielleicht ursprünglich beabsichtigt war. Denn wer sich als Wähler nicht ernstgenommen fühlt, ist bei fehlender Fähigkeit zur Selbstreflexion schnell mal geneigt, den Wahlzettel als Denkzettel zu missbrauchen. Kurz: Wer die Wähler nicht ernst nimmt, treibt sie in die Arme der Bauernfänger.

Keine klare Kante

Einzig die Thüringer FDP und CDU scheinen dies jedoch noch immer nicht registriert zu haben. Statt klare Kante zu zeigen, wird man zum Steigbügelhalter der AfD, hebt sie auf den Thron der Königsmacher. Selbst mit nur halbwegs ausgebildetem Wirklichkeitssinn ist das nicht mehr zu verstehen. Kurzfristig mag da der Triumph mitschwingen, dem politischen Kontrahenten eins ausgewischt zu haben. Langfristig wird es dazu führen, dass sich unser Land weiter spaltet. Auf der einen Seite die linken, weltoffenen Menschen, die ihre Heimat je nach eigener Prioritätensetzung bei den Linken, der SPD oder den Grünen finden. Auf der anderen Seite die rechten Scheuklappenträger, die engstirnigen Egoisten, die alles ablehnen, was ihnen fremd ist und die aus der Geschichte nichts gelernt haben. Die Parteien der Mitte – wie FDP oder CDU –  braucht dann wirklich niemand mehr.

Das hatten wir schon einmal

Das Schlimme an der Sache: Ein ähnliches politisches Szenario hatten wir in Deutschlannd schon einmal. Entscheide Dich für Links oder Rechts, einen Mittelweg gibt es nicht… was aus diesem Denken wurde, wissen alle, die im Geschichtsunterricht zumindest vorrübergehend aufgepasst haben. Am Thüringer CDU-Chef Mike Möhring und bei Herrn Kemmerich von der FDP scheint dieser Unterricht allerdings spurlos vorbeigegangen zu sein.