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DiSORDERUNIVERSE

Alte Helden

ALTE HELDEN

Aus der Zeit gefallen

Irgendwann in den frühen 199er Jahren gab es da diese eine Platte. Etwas aus der Zeit gefallen wirkte sie, eher wie ein Überbleibsel aus den 1970er Jahren. Aber immerhin: Sie rockte! Und sie zog den Zuhörer unweigerlich in ihren Bann und wer dem Bann erst einmal erlegen war, der fand sich schnell in bisher unbekannten Sphären wieder. Sphären, für die es im Deutschen nicht so wirklich ein Wort gibt, denn treffender als mit dem englischen Begriff »Spaceship« kann man es – meint man nicht die wörtliche Übersetzung Raumschiff – nun mal nicht ausdrücken.

Für die Unendlichkeit

Mich hat diese Platte damals im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen. So verdichtet, so erdig rockend und gleichzeitig abgehoben spacig hatte ich das vorher noch nicht gehört. »Dopes to Infinity« – der Titel war Programm und tatsächlich begleitet mich die Musik von Monster Magnet bis heute. Das Album mit dem Versprechen der Unendlichkeit hält sich in der Tat bis heute in der Liste meiner Allzeit-Favoriten.

Sehr lange her

Umso bemerkenswerter ist es, dass es am Ende nun über 20 Jahre gedauert hat, bis ich die Truppe um Mastermind Dave Wyndorf endlich mal wieder live gesehen habe. So lange ist das her, dass ich mich beim besten Willen nicht mal mehr daran erinnern kann, wo und bei welcher Gelegenheit ich Monster Magnet damals im Zuge der »Dopes«-Tour gesehen habe.

Einfach nur rocken

Nun also das später Wiedersehen im Huxleys. Und schon schnell zeigt sich: Alte Männer rocken doch immer noch am besten. Kein Pathos, kein unnötiges Komplimente fischen. Da steht jemand mit beiden Beinen auf dem Boden und pustet dich als Konzertbesucher mal ordentlich durch. Denkt man an die 63 Jahre, die Wyndorf inzwischen auch schon auf dem Buckel hat, merkt man mal wieder: Rockmusik hält jung.

Quer durch die eigene Bandgeschichte

Als gäbe es kein Morgen mehr, legen Monster Magnet los und spielen sich querbeet durch die eigene Bandgeschichte. Der »Space Lord« darf da genauso wenig fehlen wie der »Negasonic Teenage Warhead«. Und trotzdem ist es letztlich »Bummer«, das zum Highlight gerät, indem die Band es auf fast zehn Minuten Länge ausdehnt und sogar mit Funk-Elementen bereichert.

Sauerstoff-Kur inklusive

Monster Magnet haben ihren Stil in den letzten 30 Jahren durchgezogen und singen auch in Zeiten von #meetoo über langbeinige und nur spärlich bekleidete Damen, die sich auf der Motorhaube eines Muscle-Cars räkeln oder auf dem Sozius der nächstverfügbaren Harley Platz nehmen. Dass die Herren dort auf der Bühne inzwischen alle schon etwas betagter sind, merkt man allein an der Tatsache, dass Monster Magnet bereits nach etwa einer Stunde das erste Mal von der Bühne verschwinden.

Alle japsen nach Luft

Offensichtlich ruft das Sauerstoffzelt – denn nach etwas mehr als fünf Minuten ist das Quintett wieder da und gibt weitere 30 Minuten Vollgas. Als es im Huxleys dann endgültig »Gute Nacht« heißt, ist das Publikum hoch zufrieden und verabschiedet die alten Helden mehr als wohlwollend. Als das Licht in der Halle angeht, weiß man auch warum: Die grau mellierten Damen und Herren im Publikum japsen inzwischen auch alle ganz ordentlich nach Luft.