Fußball national

Ein Rückblick in Langeweile

Der FC Bayern München trocknet den deutschen Fußball aus

Hamburg nur noch zweitklassig

Man mag es kaum glauben, doch im Fußball – auch im deutschen Fußball – geschehen doch immer noch wieder Dinge, die es nie gegeben hat. So ist am letzten Samstag, den 14. Mai 2018, der Hamburger Sportverein erstmals aus der Fußball-Bundesliga abgestiegen. Das letzte noch verbliebene Gründungsmitglied der höchsten deutschen Spielklasse wird in der kommenden Saison nur zweitklassig kicken.

Stuttgart trumpft in München auf – als es um nichts mehr geht

Was die Etats in der zweiten Fußball-Bundesliga angeht, könnte der HSV – gemeinsam mit dem 1.FC Köln – dort in etwa die Außnahmerolle annehmen, die der FC Bayern München seit Jahren in der Fußball-Bundesliga innehat. Den Großkopferten aus der bayrischen Landeshauptstadt hat auch in der gerade vergangenen Spielzeit wieder niemand das Wasser reichen können – sieht man vielleicht vom VfB Stuttgart ab, der im letzten – und für den FC Bayern bedeutungslosen – Spiel der Saison groß in München auftrumpfte.

Die Dominanz der Bayern

Unter dem Strich präsentiert sich die Dominanz der Münchener in den folgenden Zahlen: 21 Punkte Vorsprung, eine Tordifferenz von Plus 64 und 27 ihrer 34 Spiele konnte der FC Bayern gewinnen. Eine echte Konkurrenz? Nicht einmal in entferntester Sichtweite. Auf Schalke freut man sich über die Vizemeisterschaft, lag aber schon nach Ende der Rückrunde elf Punkte hinten.

Als Ancelotti noch trainierte

Dabei begann die Saison für den Serienmeister alles andere als optimal. Nach sieben Spieltagen – man mag es heute kaum noch glauben – hatte der BV Borussia Dortmund nach sechs Siegen und einem Unentschieden zu Saisonbeginn bereits satte fünf Punkte Vorsprung auf die Mannschaft, die damals noch von Carlo Ancelotti trainiert wurde.

Doch dann kam Jupp

Was danach folgte, hatte mit Fußball im der selben Liga nicht mehr viel zu tun. Borussia Dortmund fiel auseinander und hätte nach nur 36 Punkten in den weiteren 27 Saisonspielen (Bilanz: Neun Siege, neun Unentschieden, neun Niederlagen) sogar beinahe die ChampionsLeague noch verpasst. Gleichzeitig startete der Meister nach dem Rauswurf Ancelottis und der Verpflichtung von Jupp Heynckes erst so richtig durch. Ein Untentschieden, zwei Niederlagen – bei 23 Siegen durchaus verschmerzbar.

Überall nur Bayernspieler

Und auch bei den individuellen Statistiken der abgelaufenen Spielzeit: Überall steht ein Spieler mit rotem Trikot ganz vorne. Torschützenkönig wurde Robert Lewandowski mit 29 Treffern. Der Zweite in dieser Wertung: Nils Petersen vom SC Freiburg – mit gerade mal 15 Treffern. Das ist nur knapp etwas mehr als die Hälfte. Bei den Torschüssen und den verwandelten Elfmeter liegt der Pole im Bayern-Trikot übrigens ebenfalls vorne. Die meisten Torvorlagen der Saison gab sein Sturmpartner Thomas Müller. Und als wäre all dies noch nicht genug: Selbst bei den Eigentoren führt ein Spieler vom FC Bayern. Niklas Säle traf immerhin drei Mal ins eigene Netz.

Die Angst des Kaninchens vor der Schlange

Eine Hilfe, die offensichtlich nicht geholfen hat, denn wer in dieser Saison wirklich nichts Besseres zu tun gehabt hat und sich ein Bayernspiel in voller Länge angetan hat, dem wird es sofort aufgefallen sein: Die Gegner ergaben sich meist bereits mit Anpfiff – in Angst erstarrt wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange. Echte Konkurrenz hatten die Bayern in den letzten 12 Monate auf nationaler Ebene wie schon in den letzten Jahren nicht. Sie schnitten durch die Bundesliga wie ein warmes Messer durch Butter.

Geld drucken allein reicht nicht

Doch genau hier liegt das Problem – auch für die übermächtigen Bayern. Wer auf nationaler Ebene nur selten wirklich gefordert wird, dem fehlt auf internationaler Ebene oft das letzte Quäntchen zum ganz großen Wurf. Fragen hierzu beantworten gerne die ChampionsLeague-Vertreter aus Frankreich und Italien. Paris St-Germain und Juventus Turin warten trotz auf Hochtouren laufender Gelddruckmaschine seit Jahren auf den großen Wurf.

Wer steigt ab?

Und auch die Bayern müssen sich eben auch nach dieser Saison wieder damit begnügen, eine langweilige Meisterschaft und einen uninteressanten DFB-Pokal nach München geholt zu haben. Zum wie vielten Mal dies nach Ende der Spielzeit 2017/2018 nun schon geschieht? Es zählt doch niemand mehr genau mit. Die einzige Frage, die hierzulande eventuell noch interessierte: Steigt der HSV denn nun endlich mal ab?

Gähnende Langeweile

Da können sich die Sky-Reporter am Samstag in ihrer Konferenz noch so sehr am spannenden Europarennen aufgeilen, das können sie noch sehr Dramatik in einen im Grunde recht langweiligen Abstiegskampf hineinlegen. Das gemeine Fußballvolk verliert zunehmend das Interesse an der Bundesliga. Spätestens jetzt, wo der HSV den Abstieg endlich geschafft hat, fehlt da unten die Mannschaft, die es in den letzten Jahren stets spannend gemacht hat – sei es, dass man für oder gegen die Rothosen war.

Die Zweite Liga macht es vor

Wie das in Sachen Spannung geht, hat in der abgelaufenen Saison die zweite Bundesliga gezeigt. Der Unterbau der Bundesliga war ausgeglichen wie nie – zeitweilig lagen zwischen dem Tabellensechsten, der sich noch Hoffnung auf den Aufstieg machen durfte und dem ersten Abstiegsplatz ganze vier Punkte Abstand.  Mit Holstein Kiel steht am Ende eine Mannschaft in der Relegation zur Bundesliga, die im letzten Jahr noch in der dritten  Liga gespielt hat. Gleichzeitig ist mit Eintracht Braunschweig ein Team angestiegen, dass vor Jahresfrist eben noch genau an diese Tür zur Bundesliga geklopft hat und in der laufenden Saison vor dem 34. Spieltag nicht ein einziges Mal auf einem direkten Abstiegsplatz gestanden hat.

Die Abstände vergrößern sich

Gleichzeitig weiß man bereits jetzt, dass es die Zweitliga-Aufsteiger aus Düsseldorf und Nürnberg in der kommenden Saison schwer haben werden in der Bundesliga. Wie im richtigen Leben ist die Schere zwischen arm und reich auch im Fußball in den letzten Jahren immer weiter auseinander geklafft. Und wenn man nicht aufpasst, wird es auch in Sachen Auf- und Abstieg in den kommenden Jahren ähnlich langweilig wie im Kampf um die Meisterschaft. Es werden stets die selben Mannschaften sein, die zwischen Bundes- und Zweiter Liga pendeln – einfach, weil sich selbst das Mittelfeld der Bundesliga um Stuttgart, Hertha und Mönchengladbach der Abstiegszone schon viel zu weit entfernt hat, um noch in wirkliche Gefahr zu geraten. Und passiert es dann – wie im Falle VfB Stuttgart – doch einmal, kann dies mit den Reserven eben problemlos wieder korrigiert werden.

Nur gemeinsam ist man stark

Der Fußball in Deutschland steht genau wie international vor einer Entscheidung. Soll es wirklich immer größer, immer schneller, immer teurer, dafür aber eben auch immer langweiliger werden? Oder sieht man endlich ein, dass man nur gemeinsam wirklich groß werden kann?

Die Bundesliga fällt zurück

Wie lange werden sich die Bayern das noch ansehen? Langeweile, weil ohne Konkurrenz auf nationaler Ebene – dafür nicht konkurrenzfähig auf internationaler Ebene… Wenn man in München nicht endlich einsieht, dass Weniger manchmal Mehr ist, wird auch diese Schere auf nationaler und internationaler Ebene in den kommenden Jahren weiter auseinander klaffen. England und Spanien haben die Bundesliga längst abgehängt – sowohl in Sachen Spannung als auch in Sachen Vermarktung. Eine weitere Dominanz der Münchener wird die Bundesliga im internationalen Vergleich weiter zurückfallen lassen.

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The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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