Musik

Die Farce um den Musikpreis

Warum der Echo verhallt

Dinge, die kein Mensch braucht

Es gibt Dinge auf dieser Erde, die braucht wirklich kein Mensch. Antisemitismus gehört mit Sicherheit zu diesen Dingen. Und der Musikpreis Echo gehört mit Sicherheit auch dazu. Wie schön – könnte man nun denken – dass das Eine nun endlich zum Anderen führt. Leider ist es allerdings nicht so, dass die Abschaffung des Echo auch gleichzeitig zur Abschaffung des Antisemitismus geführt hat. Das Böse hat also gewonnen, während das, was im Grunde seit Jahren sowieso niemanden mehr interessiert hat, im Nirvana der endgültigen Bedeutungslosigkeit verschwindet.

Mehr Promotion geht nicht

Und so lachen sich die beiden hirnlosen Effekthascher hier oben auf dem Bild also ins Fäustchen. Die Aufregung um ihre Songtexte hat ihnen unter dem Strich sehr viel mehr gebracht als all die bemühten Diskussionen um den Abbau von Vorurteilen. Wer heute noch nicht begriffen hat, dass es sich in einer Welt ohne Berührungsängste sehr viel besser lebt, dem ist auch durch gespielte Empörung nicht beizukommen.

Seelenloser Dünnpfiff

Damit hier nun keine Zweifel aufkommen – was Farid Bang und Kollegah in ihren Songs an gequirltem Bockmist verbreiten, lässt jeden halbwegs intelligenten Menschen kopfschüttelnd zurück. Vor allem dann, wenn man gleichzeitig bedenkt, welchen kommerziellen Erfolg die Beiden mit ihrem seelenlosen Dünnpfiff haben. Und natürlich muss man gegen dieses rückwärts gewandte Idiotentum auf die Straße gehen, Farbe bekennen und seine Stimme erheben.

Wie hoch ist die eigene Schmerzgrenze?

Wenn dies jedoch ausgerechnet Diejenigen am lautesten tun, die von denen profitieren, die solchen Einwegdreck seit vielen Jahren gezielt in die Hitparaden unserer Republik hieven, dann bleibt da am Ende ein Fragezeichen. Da geht es dann auch nicht mehr darum, wie weit künstlerische Freiheit geht, sondern im Endeffekt nur darum, wie hoch die eigene Schmerzgrenze ist. Die Kohle derer, die beide Augen zudrücken, wenn es im hart umkämpften Musik-Business ums Geld verdienen geht, nimmt man dann doch gerne. Aber Ehrensache: Wenn sich die ganze Welt empört, dann macht man selbstverständlich den Mund auf und gibt auch gerne die schwer verdienten Echos zurück – wenn man es sonst schon nicht mehr in die Schlagzeilen schafft.

Verlogen hier, verlogen dort

Die Diskussion rund um den Echo war von Anfang mindestes genauso verlogen, wie es der Preis seit vielen Jahren war. Ein Musikpreis, den die erhalten, die kommerziell am erfolgreichsten abschnitten? Das wäre in etwa so, als würde man Bayern München einen Pokal dafür überreichen, weil sie die Meisterschale so schön gefeiert haben. Der Echo war von jeher die Selbstbeweihräucherung derer, die nichts mehr lieben, als im Mittelpunkt zu stehen. Eine Bauchpinselung der allerersten Kajüte, die außer den Künstlern selbst niemand wirklich brauchte.

In die Bedeutungslosigkeit abgerutscht

Nicht umsonst sind die Zuschauerzahlen der Preisverleihung in den letzten Jahren stets weiter in den Keller gerasselt. Das Interesse war selbst bei den hart gesottenen Fans eher mau und wahrscheinlich hatte man sich beim Verband der Musikindustrie schon insgeheim die Hände gerieben, als nun die Diskussion um Farid Bang und Kollegah losgetreten wurde. Endlich war der Echo wieder in den Schlagzeilen zu finden. Das Dumme nur: Man hat sich mal eben ganz schön verkalkuliert.

Keine Träne nachweinen

Der Echo ist Geschichte, Antisemitismus leider noch lange nicht. Dem Echo wird niemand wirklich eine Träne nachweinen, beim Antisemitismus wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass uns mehr als eine Träne der Wut und Verzweiflung in die Augen schießt.

Künstlerische Freiheit oder DummDumm-Geschoss?

So lange jedoch, wie es weder der Verband der Musikindustrie noch die ihm angeschlossenen Plattenfirmen schaffen, echte künstlerische Freiheit (und verbunden mit ihr wichtige Kritik) von hohlen DummDumm-Geschossen zu unterscheiden, wird es sinnlos sein, den Versuch eines Nachfolgers zu starten. Musik ist mehr als die reinen Verkaufszahlen, die am Ende unter dem Strich stehen. Musik muss bewegen, berühren und Horizonte öffnen. Viele derer, die in den letzten Jahren auf der Bühne vor Freude künstlich ausgeflippt sind, wenn sie ihren Echo in die Hand gedrückt bekamen, haben dies leider längst aus den Augen verloren.

Die Unglaubwürdigkeit bleibt

Das Traurige an der Geschichte: Wer nur auf das Geld in der eigenen Schatulle achtet und wem es dabei egal ist, was für ein Rotz im Namen der eigenen Firma veröffentlicht wird, der braucht am Ende nicht mal einen Musikpreis, um  die eigene Unglaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen.

Foto: Selfmade Records – Selfmade Records, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=24509385

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The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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