Tonträger

Engelsgleiche Melancholie sonnenstrahlender Klarheit

A Perfect Circle präsentieren »Eat The Elephant«

Album-Tracklist

  • 1. Eat The Elephant (5.14)
  • 2. Disillusioned (5.54)
  • 3. The Contrarian (3.59)
  • 4. The Doomed (4.42)
  • 5. So Long, And Thanks For All The Fish (4.26)
  • 6. TalkTalk (4.16)
  • 7. By And Down The River (5.05)
  • 8. Delicious (3.50)
  • 9. DLB (2.07)
  • 10. Hourglass (5.14)
  • 11. Feathers (5.48)
  • 12. Get The Lead Out (6.41)

Die ersten Töne

Es beginnt mit einem leicht schleppendem Beat mit Jazz-Anleihen. Dazu ein Piano, dass mit zunehmender Dauer in immer tiefere Akkorde abdriftet und so das Fundament gießt. Und dann setzt sie ein: Engelsgleich melancholisch und doch von sonnenstrahlender Klarheit. Eine Stimme, wie man sie nur selten findet. Vom grunzenden Gebrüll bis in höchste Sphären – Maynard James Keenan spielt die Facetten bis in den Grenzbereich aus. Diese Stimme kann ganze Alben tragen und im Falle von »Eat The Elephant« tut sie dies von der ersten Sekunde an.

Rock in Reinform

Der 54-Jährige führt seine Hörer durch einen musikalischen Gemischtwarenladen voller Gefühle. Hier finden elektronische Klänge genauso ihr Zuhause wie verzerrte Gitarren oder zarte Piano-Balladen. Unter dem Strich mag man das dann Progressive Rock in seiner Reinform nennen. Mal geht es etwas heftiger zur Sache, mal wird drei bis sieben Gänge zurück geschaltet und den leisen Tönen der volle Raum der Aufmerksamkeit gegeben.

Das dritte Album

Kaum zu glauben, aber immer hin 15 Jahre haben A Perfect Circle für ihren Nachfolger von »Thirteenth Step« gebraucht. Zwar gab es in der Zwischenzeit zwei Lebenszeichen, doch in der Reihe selbstgeschriebener Studio-Alben ist »Eat The Elephant« nun erst Nummer drei in immerhin fast schon zwei Jahrzehnten Bandgeschichte. »Mer de Noms« war damals als Debüt ein echter Rockknaller, während sich der Nachfolger drei Jahre später sehr viel introvertierter und zurückgenommener präsentierte.

Die Zeit, als George Bush Krieg führte

Es folgt im Jahr 2004 ein Album aus aktuellem Anlass. Auf »eMOTIVe« versammelten A Perfect Circle Anti-Kriegssongs der unterschiedlichsten Herkunft und präsentierten diese in neuem Gewand. Zum Teil kam dies damals derart abgewandelt daher, dass man das Original nur noch schwer identifizieren konnte, doch es war die Zeit, in der George Bush und seine Gefolgsleute im Nahen Osten in den Krieg zogen und ein Statement war dringend nötig.

Ein neuer Song

2013 folgte ein »Best Of«-Album. Angesichts von bis dahin zweieinhalb eigenen Alben schien das Ganze dann doch etwas maßlos. »Three Sixty« enthielt jedoch auch einen neuen Song und war damit ein lang erhofftes Signal der Supergroup – wir leben noch.

Großartige Musiker

Was damals indes niemand ahnte: Es sollte eben weitere fünf Jahre dauern, ehe nun als das nächste Studioalbum erhältlich ist. »Eat The Elephant« zeigt in 12 Songs und einer knappen Stunden Laufzeit, welch hervorragende Musiker bei A Perfect Circle am Werk sind. Wäre diese Band sang- und klanglos im Nirvana verschwunden, es wäre ein herber Verlust gewesen. So aber präsentiert sich – glaubt man nicht wenigen Kritikern – bereits im April das Album des Jahres 2018.

Von zart bis hart

Moderne Rockmusik abseits des immer gleich klingenden Alternative-Geschrammels Marke StarFM? A Perfect Circle zeigen wie das geht. Das kommt dann mal musikalisch genauso desillusioniert daher, wie es der Titel (»Disillusioned«) verrät. Oder es wird musikalisch eher indirekt, während der Text mit »Hello, he lied« sofort zum Punkt kommt und deutlich macht, dass es in den folgenden vier Minuten natürlich nur um Donald Trump gehen kann (»The Contrarian«). Bei »The Doomed« geht es dann direkt in die Fresse – düster, laut, explizit.

Ein Werk, das Spuren hinterlassen wird

A Perfect Circle ziehen alle Register ist ihres Könnens und als Hörer sollte man sich auf eine Achterbahnfahrt gefasst machen, die einen zunächst etwas wortlos zurücklässt. Löst man jedoch direkt im Anschluss gleich die zweite Fahrt und lässt sich auf die vielen Eindrücke, die in wilder Fahrt an einem vorbeirauschen, ein, wird man belohnt mit einem Werk, das seine Spuren hinterlassen wird.

»Eat The Elephant« von A Perfect Circle

Meine Wertung

Großartige Musiker bringen Rockmusik aus dem Jahre 2018 auf den Punkt. Ein Werk, das Spuren hinterlassen wird,

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Stichworte

The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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