Gesellschaft

Sprachlos

Keine Worte

Ja, ich gebe es an dieser Stelle zu: Ich bin sprachlos. Mir fehlen die Worte! Immer wieder habe ich in den letzten Tagen versucht, meine Gefühle und Gedanken zu Papier zu bringen. Das tiefe Mitgefühl, das ich empfinde, in irgendeiner angemessenen Form auszudrücken. Es ist mir nicht gelungen.

Aus Chemnitz nichts gelernt

Ich bin gescheitert, weil ich feststellen musste, dass die Fassungslosigkeit mit jedem Tag noch angestiegen ist. Als hätten wir alle aus den Ereignissen in Chemnitz nichts gelernt, wird ein feiger, hinterhältiger Mord schon wieder zum Politikum. Die Kommentarspalten in unserem Land überschlagen sich, das Schmierblatt mit den vier großen Buchstaben geifert in gewohnt rücksichtsloser Manier und die Damen Herren vom rechten Rand stellen die eigene Profilisierungssucht über jeden Anflug von Menschlichkeit und Mitgefühl. Mir wird schlecht, sogar kotzübel.

Es geht ihnen nur um sich selbst

Ein achtjähriger Junge wird feige umgebracht und die beiden Profil-Neurotiker Dr. Jörg Meuthen und Alice Weidel zeigen keinerlei Hemmungen, seine Ermordung zum Gewinn eigener Wählerstimmen zu instrumentalisieren. Gibt es eigentlich noch Zweifel daran, dass es diesen politischen Rampensäuen nur um sich selbst geht und nicht um die Menschen, die sie wählen sollen?

Wo waren die Stimmen der beiden AfD-Politiker, als nur wenige Tage vor dem Mord in Frankfurt ein junger Mann aus Eritrea niedergeschossen wurde – und zwar von einem offen rechtsradikalen Deutschen!

Mitgefühl braucht keine Begründung

Mir kommt die Galle hoch, wenn der Tod eines Menschen derart rücksichtlos instrumentalisiert wird. Und eben genau das wird er, sobald man denkt, dem Ausdruck des Mitgefühls eine Begründung hinzufügen zu müssen. Echtes Mitgefühl braucht keine Begründung. Wer dann aber noch dazu Lösungen heuchelt, die auf Ausgrenzungen fußen und die Herkunft eines Menschen als Begründung seiner Taten vorgaukeln, ist am Ende einfach nur ein Arschloch!

Schämen sollten wir uns

Ich habe lange mit mir gerungen, habe nach Worten gesucht und ja, noch immer bin ich fassungslos. Darüber, was – nicht nur – in unserem Land zur Zeit so los ist. Was läuft schief und wie tief sind wir inzwischen gesunken, dass ein Mann mit offensichtlichen Problemen am Ende keinen anderen Ausweg findet, als unschuldige Menschen vor einen fahrenden Zug zu schubsen?!

Eine Antwort habe ich nicht – zu viele Fragen schwirren in meinem Kopf herum. Rund um die Fassungslosigkeit, was aus uns allen geworden ist.

Keine Lösungen

Ich verzichte daher an dieser Stelle auf jeden Versuch der Analyse – oder gar irgendwelcher Ideen, die ich als Lösung zu verkaufen versuche. Ich bin ja schließlich nicht die AfD.

Ganz bewusst an dieser Stelle also nur noch eins: Mein tiefstes Mitgefühl gilt der Mutter, die am Dienstag im Hauptbahnhof in Frankfurt am Main ihr eigenes Leben gerade noch retten konnte und ihren achtjährigen Sohn verloren hat.

Stichworte

The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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