Tonträger

Sinfonien in Gitarre, Bass und Schlagzeug

Album-Tracklist

  • 1. Vultures (3.59)
  • 2. Wheel (10.11)
  • 3. Tyrant (10.00)
  • 4. Up the Chain (6.52)
  • 5. Skeletons (4.26)
  • 6. Where the Pieces Lie (3.59)
  • 7. Lacking (9.14)

Kultstatus auf dem Denkmal-Sockel

Es gibt diese wenigen Bands auf dieser Welt, die mag irgendwie jeder. »Kultstatus« nennt man das dann mitunter ab einem gewissen Zeitpunkt. Ist dieser erst einmal erreicht, lebt es sich für die Band gänzlich ungeniert. Da kann musikalisch dann auch der größte Dünnpfiff abgeliefert werden. Ein kurzes Naserümpfen vielleicht, aber nein: Wegen ein paar weniger nicht so guter Songs werden Helden bestimmt nicht vom Denkmal-Sockel gestoßen.

10.000 Days seit dem letzten Album

Eine dieser Bands, deren Flamme von den Fans trotz eher durchwachsenem letzten Album und mittlerweile mehr als zehn Jahre andauernder Funkstille von den Fans noch immer am Leben gehalten wird, ist Tool. Die Progressive Metaller um Frontmann Maynard James Keenan kommen in Sachen neues Album nicht so recht in die Pötte und ob der für April angekündigte Veröffentlichungstermin für den Nachfolger von »10.000 Days« gehalten wird, weiß man letztlich auch erst, wenn die Platte dann wirklich erhältlich ist. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Termin in letzter Sekunde platzt.

Tool und Wheel

Dem geneigten Tool-Fan kann dies dieser Tage im Grunde jedoch relativ schnuppe sein. Denn auch, wenn es fast wie Gotteslästerung klingt: Das beste Tool-Album seit »Aenima« aus dem Jahr 1996 ist am letzten Freitag (22.2.) erschienen und hört auf den Namen »Moving Backwards«. Das Tool/Werkzeug heißt in diesem Falle Wheel, kommt größtenteils aus Finnland und hat einen britischen Sänger, der in Helsinki lebt.

Nein, ihr musikalisches Vorbild kann diese Band beim besten Willen nicht verheimlichen. Und sie tun es auch gar nicht. In der Presseerklärung zum Debüt-Album wird Sänger und Gitarrist James Lascelles zitiert: »Ich denke wir haben, anstatt auf das nächste Tool Album zu warten, einfach direkt selbst geschrieben, was wir gerne hören wollten!«

Neuer Schwung aus Finnland

Böse Zungen mögen nun zwar behaupten, dass – Achtung! Wortspiel! – Wheel das Rad auch nicht neu erfinden und im Grunde nur in Fahrwasser eines großen Dampfers mitschwimmen. Damit würde man dem Quartett jedoch nicht gerecht. Denn auch, wenn Wheel das Rad vielleicht nicht neu erfinden: Sie geben ihm zumindest ordentlich neuen Schwung. Da werden minutenlang und Schicht für Schicht meterdicke Wände aus Gitarre, Bass und Schlagzeug aufgeschichtet, nur um sie im nächsten Moment mit voller Wucht wieder einzureissen. Hier eine wahre Explosion der Gefühle, im nächsten Moment dafür leise Töne voller Sensibilität und Zerbrechlichkeit. Wheel bauen Spannungen auf, die das Ohr stets wachsam halten und gehen auch rhythmisch lieber den steinigen Weg als mit Belanglosigkeiten zu langweilen. Gleichzeitig wird der Dunkelheit gefrönt und der Song wieder als Mittel dafür gefeiert, dass man etwas zu sagen hat.

Ein wahres Fest der harten Klänge

Wheel zelebrieren in den sieben Songs des Debüts ganze Sinfonien moderner Rockmusik. Der Albumtitel »Moving Backwards« mag dabei Programm gewesen sein. Schließlich orientiert man sich eindeutig an den guten alten Zeiten, als die großen Vorbilder Tool sich noch nicht in minutenlanger Eintönigkeit suhlten, sondern dem geneigten Hörer auch gerne mal einen in die Fresse verpassten. Das finnisch-britische Quartett Wheel scheut sich nicht, dies auch im Jahr 2019 noch zu tun. Also, liebe Tool-Fans: Regler auf volle Lautstärke und feiern wir die guten alten Tool-Zeiten mit neuen Songs einer neuen Band.

»Moving Backwards« von Wheel

Meine Wertung

Ganze Sinfonien in Gitarre, Bass und Schlagzeug, rhythmisch mitunter anspruchsvoll, niemals langweilig!

Stichworte

The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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