LebenszeichenTonträger

Mehr als Led Zeppelin reloaded: Greta Van Fleet

Album-Tracklist

  • 1. Age Of Men (6.06)
  • 2. The Cold Wind (3.17)
  • 3. When The Curtain Falls (3.43)
  • 4. Watching Over (4.27)
  • 5. Lover, Leaver (3.35)
  • 6. You're The One (4.27)
  • 7. The New Day (3.45)
  • 8. Mountain Of The Sun (4.31)
  • 9. Brave New World (5.01)
  • 10. Anthem (4.41)
  • 11. Lover, Leaver (Taker, Beleaver) (6.01)

Die guten, alten Zeiten

Ok, ich gebe es jetzt einfach mal unumwunden zu. Ich bin alt geworden. Die Haare sind grau, die Falten inzwischen fast zu tiefen Furchen und doch: Eines konnte und kann mir der Zahn der Zeit nicht nehmen. Ertönt aus irgendwelchen Boxen so ein richtig schöner Rocksong aus den 1970er Jahren, ergreift mich noch immer so ein schönes, warmes Gefühl der Nostalgie. Deep Purple, Queen, Black Sabbath und nicht zuletzt Led Zeppelin – Idole meiner inzwischen doch etwas weiter entfernten Jugend. Echte Stars waren das. Musiker, die eine Ära geprägt haben, weil sie ihre Instrumente noch beherrschten und damit so unendlich mehr Möglichkeiten hatten als die, die sich heute als große Künstler feiern lassen, weil sie einen Beat programmieren können.

Die alte Dame aus der Nachbarschaft

Viele der damaligen Heroen haben bis in die jüngste Vergangenheit auf der Bühne gestanden oder tun es noch. Gute Musik findet ihre Fans völlig unabhängig vom Alter der Künstler. Und genau an dieser Stelle schließt sich nun der Kreis zu Greta van Fleet. »Greta wer?« mag der Ein oder die Andere da noch fragen, doch wenn der Aufstieg der Jungs aus Frankenmuth/Michigan (USA) weiter ähnlich rasant nach oben geht wie in den letzten zwölf Monaten, dürften beim leicht abgewandelten Namen einer Nachbarin der Band-Mitglieder schon bald keine Fragen mehr aufkommen.

Klassisch modern

Gerade mal Anfang Zwanzig sind die Zwillinge Joshua und Jacob Kiszka, doch die Musik, die sie gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Samuel und Schlagzeuger Daniel Wagner machen, klingt wie die beste Musik, die Led Zeppelin je gemacht haben. Das mag zuerst vielleicht etwas überholt klingen, denn wer bitte veröffentlicht heute noch ein Album, das so klingt, als sei es vierzig Jahre alt? Genau dies ist allerdings der Punkt: Greta Van Fleet klingen wie Robert Plant und Jimmey Page zu besten Zeiten und trotzdem fast unverschämt modern.

Diese sagenhafte Stimme

Das mag einmal daran liegen. dass die Band eben nicht nur wie Led Zeppelin klingen, sondern auch anderen Einflüssen der 1970er durchaus ihren Raum geben. Das mag aber auch daran liegen, dass man diese Art der Musik heute inzwischen viel zu selten hört. Echte Melodien, eine Stimme, die nicht am Tuner glattgebügelt wird und schon allein deshalb einzigartig ist, weil sie in der Höhe in Sphären vordringt, wie wir es seit den besten Zeiten eines Robert Plant eben nicht mehr gehört haben.

Ein sehr guter Anfang

Greta Van Fleet haben das Zeug zu Großem. Selten hat mich ein Debütalbum so sehr vom Hocker gehauen wie »Anthem Of The Peaceful Army«. 12 Songs, die den geneigten Zuhörer auf eine moderne Reise in die guten alten Zeiten mitnehmen. 12 Songs, die allen Nostalgikern dabei helfen, ihre ewige Hoffnung auf eine LedZep-Reunion endlich zu beenden. 12 Songs aber auch, die ihren Teil dazu beitragen werden, dass die Konzert-Arenen der US-Amerikaner weiter in rasantem Tempo wachsen.

Das Zelebrieren des Rock

Was die Kiszka-Brüder und ihr Mitstreiter aus diesen Vorzeichen machen, steht freilich noch in den Sternen. Auf dem Debüt allerdings wird der Rock zelebriert, wie er es schon seit Jahrzehnten nicht mehr wurde – in all seinem pompösen Gehabe, den großen Gesten, den weiten Kostümen und ausufernden Gitarren-Soli. Und wer weiß: Vielleicht werden Greta van Fleet in vierzig Jahren dann ja in einem Atemzug mit den Purples und Zeppelins dieser Welt genannt.

Foto: rawpic – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

»Anthem Of The Peaceful Army« von Greta Van Fleet

Meine Wertung

Moderner Classic Rock, der seine Vorbilder nicht verheimlicht, sondern ihnen ein Denkmal setzt.

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The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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