Fußball national

Großkopferter Größenwahn

Das Eigentor der Bayern-Spitze

Die Uhren ticken anders

Als Fußballfan ist man in unserem Land ja gewohnt, dass die Uhren in München bei den Bayern etwas anders ticken. Das viele Geld, die vielen Erfolge – wenn man da nicht aufpasst, kann es schnell mal passieren, dass man die Bodenhaftung verliert.

Der deutsche Global Player

Der FC Bayern München hat sich in der Ära Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zum einzigen deutschen Global Player in Sachen Fußball entwickelt. Fragt man im tiefsten Afrika oder im entferntesten Asien nach einer deutschen Mannschaft, die Antwort beinhaltet stets den einzigen deutschen Champions-League-Sieger in diesem Jahrtausend. Mitunter wird die Borussia aus Dortmund noch genannt, doch danach herrscht bei denen, die sich nicht ernsthaft mit dem deutschen Fußball beschäftigen, meist schon das große Schweigen.

Die Grenzen des Gesetzes

Glückwunsch nach München also! Irgendwie alles richtig gemacht. Man kennt euch inzwischen weltweit. Dass an der Spitze des Erfolges zwei Manager stehen, die die Grenzen des Gesetzes gerne mal nach eigenem Gutdünken ausweiten – wen interessiert das wirklich? Sie unterscheiden sich da schließlich in Nichts von den anderen Herren, die den Hals nicht vollkriegen. Deren Unternehmen bauen dann allerdings entweder Autos oder lassen sich als Bank Steuern gleich doppelt zurückzahlen.

Schwache Menschen haben keine Chance

Erfolg macht süchtig und Sucht ist etwas, gegen das schwache Menschen sehr oft vergeblich ankämpfen. Da kann dann leider auch keine Rücksicht mehr darauf genommen werden, dass der eigene Erfolg stets auf Kosten anderer zustande kommt. Bei den Banken sind es die Steuerzahler, bei den Autos der eigene Kunde und beim FC Bayern München eben die anderen Vereine und am Ende der Fahnenstange dann eben der Fan, der sich spannende Fußballspiele wünscht.

Die besten Zeiten hinter sich

Und als hätte es noch eines Beweises bedurft, wie sehr Herr Hoeneß und Herr Rummenigge inzwischen zu reinen Unternehmern verkommen sind, rufen sie nun also auch noch zu einer Pressekonferenz. Ungerecht behandelt fühlen sie sich, zu hart kritisiert. Und nucht mehr hinnehmen werden sie das. Der große Dampfer ist ins sportliche Schlingern geraten. Die Mannschaft hat ihre beste Zeit hinter sich. Das Präsidium des FC Bayern München offensichtlich auch. Anders ist diese Pressekonferenz nicht zu erklären.

Verlagerung des Interessenfokus

Hilflos und im Grunde ohne jede Not ruft man die Pressevertreter zusammen. Der einzige Ausweg, den man noch findet: Man drischt auf die geladenen Gäste ein. Da liegt schon in der Quadratur des Kreises die grundlegende Perversität. Verlagerung des Interessenfokus wird das gerne genannt und ist in Krisenzeiten vor allem bei Politikern ein gerne in Anspruch genommener Rettungsanker. Bei den Bayern ging dieser Schuss nach hinten los. Der Weg hätte sein müssen: Stellschrauben im eigenen System justieren und die Presse durch eigene Erfolge wieder auf positiv stimmen. Klingt doch ganz einfach.

Keine Stellschraube mehr gefunden

Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge wählten nun genau den umgekehrten Weg. Man drischt auf die Presse ein und versucht den eigenen Mitarbeitern so zu suggerieren: Ihr seid viel besser als euer inzwischen angeknackste Ruf. Wer hier nun die Nase rümpft, ob diese Art des Selbstbewusstseinsaufbaus funktionieren kann, tut dies zu Recht. Offensichtlich hat man beim FC Bayern jedoch keine andere Stellschraube mehr gefunden, die man im laufenden Betrieb noch ohne größeren Schaden an anderer Stelle justieren könnte.

Fehler in der Sommerpause oder neue Wege?

Die Fehler wurden in der Sommerpause gemacht. Auf dem Transfermarkt ließ man trotz überalterter Eckpfeiler in der eigenen Mannschaft fast jede Aktivität vermissen. Auf dem Trainerstuhl nahm zudem ein Novize im großen Geschäft Platz. Neue Wege? Oder einfach der Beweis dafür, dass Erfolg mitunter auch satt macht?

Wie man es auch dreht und wendet: Wenn die Vereinsspitze den Weg bewusst gewählt hat, muss sie doch zwangsläufig auch mit Rückschlägen rechnen. Und wer mit Rückschlägen rechnet, müsste im Falle der ersten Durststrecke doch in sich ruhen und wissen, dass dies Teil des Plans ist.

Ohne Rücksicht auf Verluste

Stattdessen nun also diese Pressekonferenz. Sie zeigt, dass man in München alles tut – nur nicht in sich selbst ruhen. Im Gegenteil: Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge präsentierten sich wie das verletzte Wildtier, das ohne Rücksicht auf Verluste um sich schlägt, weil es keinen Plan hat, wie es die bedrohliche Situation schadlos überstehen soll. Zumal Jupp Heynckes seinen Telefonanschluss inzwischen ja gekündigt haben soll.

Nicht mehr unschlagbar

Der FC Bayern München der Saison 2018/2019 ist nicht mehr das unschlagbare Überteam der letzten Jahren. Das hat man mit etwas Verspätung nun auch auf der Führungsebene bemerkt. Doch statt ruhig zu bleiben und damit der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass es zumindest in der Dreiklassengesellschaft Bundesliga am Ende trotzdem zum Titel reichen könnte, verfällt man in unnötigen Aktionismus und zeigt der Welt damit genau das, was man eigentlich so gerne hätte verbergen wollen: Ja, wir sind angeschlagen.

Nach einer Reihe von Fehlern in jüngster Vergangenheit begehen Uli Hoeneß und Karl-heinz Rummenigge mit der Pressekonferenz also gleich den nächsten Fehler. Denn natürlich weiß die Konkurrenz auch: Wer angeschlagen ist, ist auch schlagbar!

Foto Karl-Heinz Rummenigge: Harald Bischoff / CC BY-SA 3.0, Link
Foto Uli Hoeneß: Harald Bischoff / CC BY-SA 3.0, Link

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The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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