Fußball national

Die Jagd ist eröffnet

Die Bundesliga startet in ihre 56. Saison

Es geht wieder los

Jetzt ist sie also wieder eröffnet: Die Jagd nach Toren, Punkten und Siegen. Die Bundesliga startete am Wochenende in ihre 56. Saison und auch nach so vielen Jahren gibt es noch immer Dinge, die es noch nie gegeben hat. So wird die Hansestadt Hamburg für mindestens ein Jahr ohne Erstliga-Fußball auskommen müssen, denn erstmals in der langen Geschichte der Bundesliga ist der Hamburger SV nicht mit dabei.

Bayern wird gejagt – aber nicht eingeholt

Nichts geändert hat sich hingegen in Sachen Jäger und Gejagte. Die Bayern aus München gelten in Expertenkreises zwar nicht mehr als so unschlagbar wie in all den Jahren zuvor, dennoch dürfte der Gewinn der Meisterschale auch in der nun gerade begonnenen Saison nur über die Großkopferten aus dem Süden der Republik führen. Verwegene Optimisten mögen da zwar auf eventuell aufkommende Störungen zwischen dem Star-Ensemble und seinem noch eher unerfahrenen Trainer hoffen, doch vielleicht ist es für die Verfolger aus Dortmund, Schalke und Leverkusen ja auch schon ein Trost, wenn die Meisterschaft nicht bereits Anfang März entschieden ist. In diesem Fall hieße die spannende Frage dann mit Sicherheit: Kriegt Uli Hoeneß dann spätestens Anfang April kalte Füße und ruft seinen alten Kumpel Jupp noch einmal an?

Die Aufsteiger als Absteiger?

So weit, so gut, wir werden sehen – auch, wer am Ende den Weg in die Zweitklassigkeit antreten muss. Im Süden der Tabelle werden sich die üblichen Verdächtigen wie die Eichhörnchen ernähren und um jeden Punkt froh sein, den sie irgendwo sammeln können. Da sind allen voran die beiden Aufsteiger aus Nürnberg und Düsseldorf. Beide Mannschaften haben in den letzten Jahren in der Bundesliga eher durch Abwesenheit geglänzt und vor allem finanziell deshalb den Anschluss etwas verpasst. An den kommenden noch 33 Spieltagen werden die Zwei unter Beweis stellen müssen, dass sie mithalten können und sich dabei wohl am ehesten in Richtung Freiburg und Mainz orientieren. Lehrgeld mussten beide Neulinge am ersten Spieltag bereits zahlen – der Club in Berlin bei der Hertha, die Fortuna im Heimspiel gegen den FC Augsburg. Dennoch konnten die Aufsteiger jedoch auch zeigen, dass sie keinesfalls chancelos sind.

Pay-TV und Wettanbieter

Natürlich hat so ein erster Spieltag auch noch wenig Aussagekraft und ist im  Grunde nichts Anderes als eine Momentaufnahme. Eine Momentaufnahme jedoch auch, die einem sehr schnell wieder gezeigt hat, was man in der fußballlosen Sommerpause definitiv überhaupt nicht vermisst hat. Die unzähligen und vor allem unsäglichen Werbespots rund um die diversen Fußballspiele gehören mit Sicherheit dazu. Mittendrin statt nur dabei, wenn Helden für die Ewigkeit geboren werden, weil sie in einem Spiel gegen überforderte Gegner drei Mal den Ball richtig getroffen haben. Nicht zu vergessen die Unzahl von Wettanbiertern, von denen einer natürlich authentischer ist als alle anderen und die Cash-Out-Funktion im Grunde zur Gelddruckmaschine mit Garantie wird.

Experten, die die Welt erklären

Unter dem Strich: Eine Reizüberflutung, die in Sachen Nervfaktor kaum noch zu überbieten ist. Da wird den Leuten der letzte Euro aus der Tasche gezogen, ehe das System irgendwann in sich zusammenkracht, weil kein Mensch mehr das Geld hat, das alles zu bezahlen. Fußball im Fernsehen ist und bleibt eine schlechte Ersatz-Droge und »I Want It All« in Sky-Manier hat man nur, wenn man live vor Ort im Stadion ist. Eure sogenannten Analysen, eure ewig gehaltlosen Interviews, eure Statistiken – kein Mensch braucht das. All eure Experten, die sich so gerne reden hören und die einem nach dem Spiel liebend gern die Welt erklären wollen – überlegt doch mal, warum diese Leute im Studio sitzen und nicht auf irgendeiner Trainerbank: Weil ihre Kompetenz für einen Job direkt in der Branche doch offensichtlich nicht ausreicht.

Der schleichende Tod des Fußball

Zum Glück kann man den TV ausschalten, sobald der Schlusspfiff ertönt ist. Dumm ist dabei nur, dass der Videobeweis während des Spiels stattfindet und man ihm deshalb nicht so einfach entgehen kann. Dieser hilflose Versuch, das Spiel in irgendeiner Weise auch nur annähernd »gerechter« zu machen, wird dem einst so geliebten Spiel irgendwann den Todesstoß verpassen. Auf den Tribünen sitzen dann die Besserverdienenden, die sich überhaupt noch eine Eintrittskarte leisten können und verschwinden mit ihrer Klatschpappe in der VIP-Loge, während der Schiedsrichter mit 17 Kollegen diskutiert, ob nicht doch noch eine weitere Kameraperspektive hinzugezogen werden sollte.

Mit der Jokerwette gibt es nur Gewinner

Für die Fernsehzuschauer ist das Alles dann aber zum Glück gar kein Problem – schließlich können sie während der Werbeunterbrechung in Echtzeit darauf wetten, ob die Videogruppe Kaffeeklatsch ihre Entscheidung zurücknimmt oder dabei bleibt, dass das Spiel nach nur einem weiteren Spot mit Eckball fortgeführt wird. Mit der Jokerwette verliert man dann noch nicht einmal Geld, wenn man daneben liegt.

Werdet endlich vernünftig!

Schöne, neue Fußballwelt kann ich da nur sagen – und bei aller Freude über das Ende der Sommerpause: Noch nie in meinen vielen Jahren als Fußballfan hatte ich so schnell nach Saisonstart den Eindruck, dass der Bogen bereits mächtig überspannt ist.

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The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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