Fußball national

Der Sündenbock ist gefunden

Wenn alle Seiten alles falsch machen

Viele Fehler vieler Menschen

Ausgemacht haben sie ihn beim DFB schon länger, nun hat sich Mesut Özil gezwungenermaßen freiwillig also seiner Rolle gefügt. Mit seinem Rücktritt zeigt der Fußballer in aller Deutlichkeit, dass beim DFB in den letzten Wochen und Monaten so ziemlich alle alles falsch gemacht haben. Das geht beim Spieler selbst los, macht bei Bundestrainer Jogi Löw und seinem Mannschafts-Manager Oliver Bierhoff kurz Halt und endet schließlich bei DFB-Boss Reinhard Grindel.

Am Anfang war das Foto

Blickt man zurück, weiß man heute: Das Ende aller Träume vom Verteidigen des WM-Titels war spätestens mit einem unsäglichen Foto erreicht. Mesut Özil und Ilkay Gündogan strahlten mit dem türkischen Despoten Recep Tayyip Erdogan um die Wette und trafen damit in Deutschland in eine Kerbe, die offensichtlich quer durchs Land läuft. Die Diskussionen waren groß und wurden z.T. in einer Schärfe geführt, dass Jogi Löw schon im Vorfeld der WM praktisch zusehen konnte, wie das Gold des WM-Pokals in seinen Händen schmolz.

Es folgte das sportliche Desaster

Es kam, wie es kommen musste: Der Bundestrainer und sein Stab wurden der Unruhe nicht mehr Herr. Die deutsche Delegation musste beim Turnier in Russland schon nach der Vorrunde die Koffer packen. Eine Reise, die man sich hätte schenken können. Aber natürlich auch eine Reise, die die Diskussionen nicht verstummen ließ. Im Gegenteil: In der Aufarbeitung der sportlichen Schmach, haben vor allem Oliver Bierhoff und Reinhard Grindel nichts Besseres zu tun, als die Diskussion um Mesut Özil und sein Verhalten noch einmal anzufachen.

Den Bundestrainer aus der Schusslinie nehmen

Die Zielsetzung der beiden Herren war klar: Jogi Löw musste mangels Alternative aus der Schusslinie genommen werden. Nichts konnte der DFB nach dem WM-Desaster weniger brauchen als eine langwierige Diskussion um die graue Eminenz auf der Trainerbank. Also zerrt man Mesut Özil wieder hervor. Dessen Verhalten – vor allem dessen Schweigen – nach Veröffentlichung der Fotos war die ideale Steilvorlage. Also wird der Ball nach vorne gedroschen und dann mal sehen, was der Deutsch-Türke daraus macht.

Die Reaktion eines Angezählten

Mesut Özil hat sich Zeit gelassen mit seiner Reaktion. Und sie fiel in ihrer Klarheit und Direktheit mit Sicherheit sehr viel heftiger aus, als man es sich in den Chefetagen des DFB vorgestellt hatte.Mesut Özil nimmt in seiner Abrechnung kein Blatt vor den Mund. Warum auch? Was hat er noch zu verlieren? Sein Abschied aus der Mannschaft sponsored by Coca-Cola schien intern doch längst festzustehen. Warum also weiterhin den Duckmäuser geben?

Wahrheit tut mitunter weh

Man wird nun trefflich darüber streiten können, ob Mesut Özil mit seinen Aussagen über das Ziel hinaus geschossen ist oder der Abschied in drei Tweeds genau deshalb für so viel Aufsehen sorgt, weil jede Menge wehtuender Wahrheit in ihm steckt.

Bierhoff und Grindel müssen zurücktreten

Fest steht: Über die Richtigkeit von Mesut Özils Aussagen kann man streiten. Auch darüber, wann und wo der Mittelfeldstar von Arsenal London Fehler begangen hat – sowohl mit dem Foto als auch im Umgang mit der folgenden Diskussionen. Nicht streiten braucht man jedoch darüber, ob an den Hebels des DFB noch die richtigen Krisenmanager sitzen. Oliver Bierhoff und Reinhard Grindel haben sich durch ihr Verhalten derart ins Abseits manöwriert, dass zur konsequenten Aufarbeitung des Desasters der letzten Wochen eigentlich nur auch ihr Rücktritt folgen kann.

Der DFB hat versagt

Wer eine Diskussion durch ständige Interviews und Meinungswechsel künstlich am Leben erhält und dabei sportliche Gesichtspunkte stets hinten an stellt, verfolgt andere Ziele als eine rein sportliche Aufarbeitung. Wer nicht davon ab kann, die Herkunft eines Spielers immer wieder in den Vordergrund zu stellen, hat das eigentliche Ziel von Integration nicht verstanden. Da helfen dann auch keine schicken Fernseh-Trailer mehr. Der DFB hat bei der Integration von Mesut Özil versagt und es damit nicht nur verpasst, ein starkes Statement abzugeben, sondern im Gegenteil noch Wasser auf die Mühlen all derer geschüttet, deren intellektueller Horizont am eigenen Gartenzaun endet.

Foto: Von Granada – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69669185

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The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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Ein Kommentar

  1. Ich sage mal so: Mesut Özil hat mit dem Mist doch angefangen – und hat das meines Erachtens auch ganz schnell gemerkt. Genau wie Ilkay Gündogan übrigens. Aber Gündogan hatte zumindest die Eier in die Hose und hat eingeräumt, dass er da vielleicht so etwas wie einen Fehler gemacht hat.
    Özil versucht nun, das Ganze als Bagatelle hinzustellen. Respekt vor dem Amt – ich lache. Soll er doch einfach zugeben, dass er den türkischen Despoten toll findet.Aber das wäre einem Abschied natürlich auch gleichgekommen.
    Er hätte das Foto einfach sein lassen sollen. Manchmal ist es eben einfach besser, sich seinen Teil zu denken und nicht immer alles zu kommentieren oder über die diversen Kanäle nach außen zu tragen. Shit – habe ich das jetzt wirklich gerade geschrieben?

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