Fußball national

Schafft den Blödsinn endlich ab

Kein Mensch braucht die Relegation

Wolfsburg beerbt den HSV

Der VfL Wolfsburg hat es also wieder geschafft. Zum zweiten Mal in Folge sichert sich die Millionentruppe aus der Autostadt erst in der Saison-Verlängerung ihren Startplatz in der Bundesliga für die kommende Spielzeit. Die VfL-GmbH hat damit die würdige Nachfolge des Hamburger SV angetreten, der nach seinen Relegationsauftritten 2014 und 2015 so etwas wie ein Abo auf das Nachsitzen abgeschlossen hatte, dieses Jahr aber nun endgültig den Weg in die Zweitklassigkeit antreten musste.

Der zehnte Geburtstag

Die Relegation feierte in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag nach Wiedereinführung. Und im Grunde hat sie sich auch in jungen Jahren inzwischen schon wieder überlebt. Oder wer kann sich auf Anhieb daran erinnern, wann sich zuletzt der Zweitligist in den beiden Entscheidungsspielen durchsetzen konnte?

Nur zwei Mal der Zweitligist

Die Antwort zeigt das Dilemma der Relegation: Es war Fortuna Düsseldorf, die sich 2012 mit 2:1 und 2:2 denkbar knapp gegen die Hertha aus Berlin durchsetzen konnte. Nach den Auftaktsiegen des 1.FC Nürnberg im ersten Jahr der neuen Relegation (2009 – 3:0 und 2:0 gegen Energie Cottbus) war dies das bis heute letzte Mal, dass der Zweitligist am Ende die Nase vorne hatte. In allen acht weiteren Relegationen kam der Sieger stets von oben – und blieb am Ende auch dort.

Der dritte Absteiger wurde abgeschafft

Die DFL hat mit den beiden Spielen nach Saisonende also faktisch den dritten Absteiger aus der Bundesliga abgeschafft. Wer Sechzehnter wird hat zwar eine hundsmiserable Saison gespielt, aber eben immerhin das Geld auf seiner Seite. Wer bei der Relegation von Chance spricht oder gar von Chancengleichheit, der irrt! Der Bundesligist hat seinen Kader zu Beginn der Saison mit ganz anderen finanziellen Mitteln zusammenstellen können als der Zweitligist. Allein bei den Fernsehgeldern liegt der Unterschied hier oft im zweistelligen Millionenbereich.

Schlechte Arbeit wird belohnt

Überspitzt formuliert könnte man also festhalten: Der Bundesligist startet unter besseren Voraussetzungen, versagt jedoch kläglich in Sachen Wettbewerb und bekommt dafür nach 34 Spieltagen noch eine Chance. Der Zweitligist hingegen zaubert aus sehr begrenzten Mitteln eine formidable Saison und muss dann trotzdem noch einmal in die Verlängerung – wohlgemerkt mit Nachteilen im Wettbewerb. Wundert es da noch, dass nach 180 oder vielleicht auch mal 210 Minuten stets der Bundesligist jubelt?

Die Spätfolgen sind oft noch schlimmer

Für den Zweitligisten kommt erschwerend hinzu: Ein Kader, der sich in Liga zwei den dritten Platz erspielt, weckt Begehrlichkeiten. Es kommen Angebote und kommen diese aus der Bundesliga, wäre jeder Spieler, der den Aufstieg nur knapp verpasst, unverantwortlich in Sachen eigener Karriere, wenn er das Angebot ausschlagen würde.

Das Loch nach dem verpassten Aufstieg

Die Leistungssträger sind also weg und die, die bleiben, fallen mitunter in ein Loch aus mangelndem Selbstbewusstsein. Bestes Beispiel hierfür: Eintracht Braunschweig. Letztes Jahr noch Fast-Bundesligist, jetzt Absteiger in die dritte Liga. Dem Karlsruher SC ging es da ähnlich – der Abstieg ließ hier zwei Jahre auf sich warten. Und auch für den 1.FC Kaiserslautern ging es seit der verpatzten Relegation gegen die TSG Hoffenheim nur noch abwärts.

Schluss  mit der Relegation

Die Relegation gehört abgeschafft. Der Abstand zwischen Eliteliga und Unterbau ist vor allem in finanzieller Hinsicht (und damit in Sachen Etat) inzwischen so groß geworden, dass von einem Wettbewerb auf Augenhöhe nicht mehr die Rede sein kann. Im Gegenteil: Während der Erstligist sich problemlos schadlos halten kann, birgt die Relegation für den kleineren Verein ein fast nicht zu kalklierendes Risiko für die nähere Zukunft. Fast möchte man den Zweitligisten zurufen: Werdet lieber Vierter als Dritter!

Ein Umdenken muss stattfinden

Die DFL sollte sich also dringend überlegen, ob sie letztlich zwei oder drei Absteiger aus der Bundesliga haben möchte. Unspannende Spiele, bei denen der Sieger nach Hin- und Rückspiel schon vorher feststeht, braucht kein Mensch mehr. Im Gegenteil: Sie erhärten unter dem Strich den Verdacht, dass es allein um weitere Erlöse durch Fernsehgelder geht. Sportlichen Wert haben die Relegationsspiele jedenfalls schon lange nicht mehr.

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The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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