Tonträger

Substanzloses Gestochere

Löwen am Nordpol enttäuschen mit ihrem Debüt

Album-Tracklist

  • 01 - Optimismus als Gesetz (02:42)
  • 02 - Kopfkino (02:26)
  • 03 - Beamt mich up (02:45)
  • 04 - Gott (02:02)
  • 05 - Bringt mir den Kopf von Donald Trump (02:28)
  • 06 - Astronaut (04:00)
  • 07 - Cobain (02:55)
  • 08 - Glaub dir nicht (02:57)
  • 09 - New York (02:51)
  • 10 - Dich! Dich! Dich! Dich! (02:11)
  • 11 - Auslöschung (02:30)
  • 12 - Der Beweis (03:15)

Ein Trio aus Berlin

Im Bandinfo werden sie als Deutschlands lauteste Popband angepriesen, doch wenn man das Debüt des Trios aus Berlin so hört, bleiben vor allem Fragezeichen im Kopf. »Vom Stochern in der Asche« heißt die Platte und wenn der musikalische Output das Resultat dieses Stocherns ist, hätten sich die Drei besser mit anderen Dingen beschäftigt. So richtig Ernst gemeint sein kann das Alles in den 12 Songs jedenfalls nicht.

Durch den Gartenschlauch gesungen

Ein Sänger, der klingt als würde er die ganze Zeit durch einen Gartenschlauch singen und trotzdem so sehr in den Vordergrund gemischt ist, dass man am liebsten wegrennen möchte – oder eben einfach sofort auf die Stopp-Taste drücken. Die Gitarren schrammeln – und schrammeln und schrammeln… und schrammeln und schrammeln. Akzente? Fehlanzeige! Wenigstens ein wenig Abwechselung? Fehlanzeige! Vielleicht ein paar unterschiedliche Sounds? Keineswegs!

Weich gespült und glatt gebügelt

Gute Punkmusik hätte man daraus machen können – zugegeben. Doch in diesem Fall ist das Ganze so dermaßen weich gespült und glatt gebügelt, dass selbst die kleinste Ecke fehlt, an der man sich stoßen könnte. Popmusik im Punk-Gewand? Oder umgekehrt? Löwen am Nordpol werden es selbst nicht so genau wissen.

Kein Fleisch und Blut

Und überhaupt: Haben wir schon über das Schlagzeug gesprochen? Nein? Ist auch nicht so einfach, denn im Grunde gibt es gar keins. Irgendwo ganz weit hinten in den Hintergrund gemischt ist zwar so etwas wie eine Rhythmusmaschine zu hören, aber echt jetzt? Sitzt da wirklich ein Mensch an den Drums? Bitte an dieser Stelle nicht falsch verstehen: Die Fragen sind durchaus Ernst gemeint, denn das Bandinfo spricht zwar von einem Schlagmenschen aus Fleisch und Blut – dieses hat er jedoch wohl an der Studiotür abgegeben.

Teilweise ist das Schlagwerk auf »Stochern in der Asche« so weit nach hinten gemischt, dass man kaum hören kann, was der Mann an den Trommeln da eigentlich spielt. Und wenn man ihn dann doch mal hört. klingt es meist ähnlich nach Blechdose wie das Gesangsorgan des Frontmannes.

Wortspiele als Effekthascherei

Bleiben am Ende vielleicht wenigstens die deutsche Texte, die so etwas wie Substanz vermuten lassen? Leider auch hier: Fehlanzeige. »Bringt mir den Kopf von Donald Trump« heißt einer der Songs – der Titel hat Potential. Der Songtext selbst leider nicht. Mit keinem Wort wird erwähnt, warum es ausgerechnet der Kopf »von diesem Mann« sein soll. Statt dessen wird gewortspielt (sic!), dass die Schwarte kracht und am Ende verkommt das Ganze zur reinen Effekthascherei. Wäre es nicht gerade bei Donald Trump viel wirkungsvoller, wenn man statt des ganzes Kopfes nur den Skalp brächte?

Abschreiben ist auch eine Kunst

»Astronaut« ist textlich so ziemlich bei allem zusammengeklaut, was im Gebiet der deutsch getexteten Popmusik Rang und Namen hat. Das ist der »Junge«, der ständig zu laut ist und nicht wie die Anderen sein kann und am Ende eben der Titel gebende »Astronaut«, der irgendwo im All rumschwebt und von niemandem mehr genervt wird.

Kurt Cobain windet sich im Grab

Gipfel der Peinlichkeit ist dann das Stück »Cobain«. Was soll das sein? Eine Stimme, die sich nicht traut, zu schreien? Darunter eine Gitarre, die erneut vor lauter Harmlosigkeit nur so dezent vor sich dahinschrammelt? Und dann eine Textzeile »Nur er konnte mich verstehen. Ich vermisse Kurt Cobain.« Das ist nicht mal unfreiwillig komisch – das ist einfach nur noch peinlich.

Zahnlose Löwen

Den Löwen am Nordpol sei spätestens an dieser Stelle gesagt: Leute, lernt doch erst einmal brüllen! Bei diesem Katzengejammer hätte Kurt Cobain nämlich rein gar nichts verstanden – im Gegenteil: Er hätte sich mit Grausen abgewendet und wäre davon gerannt!

Löwen am Nordpol - Vom Stochern in der Asche

Meine Wertung

Mag sein, dass da irgendwo Potential verborgen liegt - die Berliner Band hat es auf ihrem Debüt geschickt unter geschrammelter Ideenlosigkeit verbuddelt.

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Stichworte

The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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