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Eine Rampensau in Höchstform

Stone Sour waren in der Columbiahalle Berlin

Die Rampensau höchst persönlich

Sollten Sie jemals in die Verlegenheit kommen, das Wort »Rampensau« erklären zu müssen, zeigen Sie doch ganz einfach ein Video von Corey Taylor. Der Mann aus Iowa ist eine Rampensau, wie sie im Buche steht und wie sie rampensauiger nicht sein könnte. Gerade 1,70 Meter ist der 43-Jährige groß und wer den Sänger über die Bühne hüpfen und springen sieht, kommt um den Gedanken an einen Giftzwerg nicht umhin. Die derbe Sprache, in der das berühmte F-Wort in jeden Satz mindestens drei Mal einfließt, tut ihr Übriges dazu.

Ein Mann der Show

Dieses Erscheinungsbild jedoch passt 1:1 zur Musik von Stone Sour. Corey Taylor ist ein Mann der Show und er weiß, wie er seine Musik an den Mann oder an die Frau bringt. Während er sich bei Slipknot wie seine Bandkollegen hinter einer Maske versteckt und völlig frei von Ironie den Soziopathen raushängen lässt, nutzt Taylor bei seiner Zweitband Stone Sour – die eigentlich mal seine erste Band war – die Möglichkeiten des Bruches. Ironie und selbst hochtragende Gefühle finden ihren Platz bei der nach einem Cocktail benannten Band.

Viele Facetten der Rockmusik

Dass die Sache musikalisch eher die härtere Schiene verfolgt, wundert nicht. Was bei Slipknot jedoch unter NuMetal läuft, passt bei Stone Sour definitiv noch unter das Label »Rock«. In der Berliner Columbiahalle zeigten Stone Sour nun am Montag (20.11.) die vielen Facetten, die Rockmusik haben kann. Von beinharten Brett mit fetten Gitarrenwänden und ordentlich Headbanger-Potential bis hin zu ruhigen gefühlvollen Balladen, bei denen sich Corey Taylor allein auf der Akkustikgitarre begleitet, wurde alles geboten.

Die Band lebt von ihrem Frontmann

Gerade jedoch die Tatsache, dass Taylor bei den ruhigen Liedern allein auf der Bühne stand, zeigt einen weiteren Unterschied zum Monster Slipknot. Während der Frontmann bei der Metal-Kapelle nur einer im Neuner-Kollektiv ist, steht und fällt bei Stone Sour alles mit dem Giftzwerg am Mikrofon. Er ist es, der die Blicke auf sich zieht. Er macht die Ansagen und verliert sich hierbei ab und zu auch gerne mal im Pathos. Er springt und hüpft über die Bühne und wenn einer seiner Band-Kollegen im Weg steht, muss er eben schnell zur Seite.

Wie gewohnt in Höchstform

Hat man jedoch eben genau einen solchen Frontmann wie Stone Sour, muss man sich im Grunde keine Gedanken machen. Der Mann allein ist das Eintrittsgeld definitiv wert und seine stimmliche Ausnahmestellung im Rock/Metal-Bereich dieses Planeten kommt bei der facettenreichen Zweitband mit Sicherheit besser zur Geltung als bei den Haudraufs von Slipknot. Es reicht an dieser Stelle also im Grunde, wenn man erwähnt, dass sich Corey Taylor an diesem Abend in der Columbiahalle wie gewohnt in Höchstform präsentierte. Der Mann hat die Halle gerockt und seine Mitstreiter sind ihm auf hohem Niveau gefolgt. Ein solides Rockkonzert mit hohem Spaßfaktor und ordentlich Wumms. Nicht mehr, aber auch definitiv nicht weniger.

Stone Sour in der Columbiahalle

Meine Wertung

Grundsolides Rock-Konzert mit hohem Spaßfaktor, weil Corey Taylor liebt, was er tut.

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The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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