Tonträger

Klanglandschaften und Gitarrenwände

Cedric beeindrucken mit ihrem Debütalbum

Raus aus dem grauen Alltag

Ab und zu gibt es sie dann doch noch: Diese eine neue Band, die überrascht. Wie unzählige Male vorher auch, bekommt man die CD auf den Tisch oder klickt sie bei Spotify, Soundcloud oder anderen Portalen an und diese eine neue Band lässt dich vom ersten Ton an aufhorchen. Sie hebelt dich mit ihrer Musik aus dem grauen Alltag – egal, wann und wo du sie hörst. Cedric sind eine dieser Bands – und sie überraschen sogar in zweifacher Hinsicht.

USA oder Großbritannien?

Da ist zunächst einmal die Herkunft der Band. Wer die Gitarrenwände des Trios und die Weltschmerz-Stimme von Sänger Roman Köhler zum ersten Mal hört, mag als Ursprung vielleicht an die öden und vor allem einsamen Landschaften des US-amerikanischen Hinterlandes denken. Auch Großbritannien als Wiege des Progrock mag einem in den Sinn kommen, denn international klingt  »Levity« auf jeden Fall. Dass Cedric ihre Bandwiege in der Sachsemetropole Dresden haben – das Debütalbum lässt es nicht unbedingt vermuten.

Sich selbst unter Vollzugsdruck gesetzt

Fünf Jahre ist es inzwischen her, dass die drei jungen Herren sich erstmals im Proberaum eingeschlossen haben und zunächst einmal »einfach drauflos gejammt« haben. Heraus kam dabei vor allem Krach und wenig Songstruktur – wie sie selbst in einem Interview zugegeben haben. Irgendwann nach zwei Jahren gab es dann aber doch mal zwei Songs und dem Ganzen sollte nun nach und nach Struktur gegeben werden. Mehr, um sich selbst ein wenig unter Vollzugsdruck zu setzen, als in der Hoffnung auf Erfolg, meldete sich das Trio schließlich beim Emergenza Bandwettbewerb an. Wenige Konzerte später hatte man das internationale Finale auf dem Taubertalfestival 2015 erreicht und konnte sich als beste deutsche Band den siebten Platz sichern. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Trio mal gerade etwas mehr als eine handvoll Auftritte absolviert.

Jetzt das Debüt

Knappe drei Jahre und u.a. eine Support-Tour für New Model Army später steht nun das Debütalbum von Cedric in den Startlöchern. »Levity« ist eine wahre Offenbarung in Sachen Progrock und Alternative. Die Dresdner verpassen dem etwas angestaubten Genre eine Frischzellenkur, wie man sie vielleicht eher von Steven Wilson erwartet hätte – wäre dieser nicht inzwischen auf seltsam-seichten Pop-Pfaden unterwegs.

Klanglandschaften und Gitarrenwände

Cedric malen ganze Klanglandschaften, in denen sich sehnsuchtsvoll mäandern lässt und die durch Köhlers melancholische Stimme zu wahren Zufluchtsorten werden – nur, um im nächsten Moment durch meterdicke Gitarrenwände eingerissen zu werden. Es entsteht so ein Spannungsfeld, bei dem man mitunter die Orientierung verliert und letztlich nur noch eins hilft: Sich treiben lassen.

Der Meisterbrief

Denn bei aller Spannung, die Cedric in ihren Kurzepen aufbauen: Sie nehmen den Hörer mit, lassen ihn nicht allein, sondern setzen ihn gezielt einer nicht enden wollenden Bandbreite musikalischer Gefühlswelten aus. Tool haben das vor etwas mehr als zwanzig Jahren in ähnlicher Form auf ihrem Meisterwerk »Aenima« vorgelebt. Mit »Levitiy« legen Cedric damit nicht nur ihr Debüt, sondern auch ihre Abschlussarbeit in der Meisterklasse vor.

Cedric auf Tour

Im April ist das Trio in Deutschland und Österreich auf Tour unterwegs. Es wird vielleicht die letzte Gelegenheit sein, Cedric in kleinem Rahmen sehen zu können. Denn wenn der Musikgott auch nur ein klitzekleines Fünkchen Gerechtigkeitssinn hat, wird er diese Band durchstarten lassen, bis sie auf den großen Festivals das Publikum bekommen, dass sie verdienen: Ein ganz großes nämlich.

Also: Hier sind die Tourdaten – bitte rennen Sie den drei Dresdnern die Bude ein und kaufen Sie dieses Album. Es ist Zeit, sich endlich wieder selbst zu belohnen!

Tourdaten – CEDRIC

19.04.18: Berlin – Duncker
20.04.18: Hamburg – Astra Stube
23.04.18: Bremen – Papp  –  Tickets
24.04.18: Hannover – Cafe Glocksee  – kein VVK
25.04.18: Köln – Sonic Ballroom
27.04.18: Frankfurt – Ponyhof
28.04.18: Karlsruhe – Kohi
30.04.18: Bad Muskau – Turmvilla  –  Tickets
02.05.18: Chemnitz – Aaltra
03.05.18: Ulm – Cabaret Eden
04.05.18: A-Linz – Ann & Pat
05.05.18: Stuttgart – Cafe Galao

Foto ganz oben: Polypons

»Levitiy« von Cedric

Meine Wertung

Schon lange kein so großartiges Debüt mehr gehört! Cedric entstauben den ProgRock und legen ihre Meisterprüfung ab.

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Stichworte

The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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