Fußball national

Die Quadratur des Kreises

Ein Steak als Symbol des Fußballs

Die Blase des Profisports

Es ist noch gar nicht so lang her, da bestimmte der Ex-Profi Jan Rosenthal mit seiner Abrechnung über den Beruf des Fußballers die vorweihnachtlichen Schlagzeilen der Sportpresse. Zusammengefasst beklagte sich der 32-Jährige über ein Leben in der Blase, in der Belanglosigkeiten zu Sinn stiftenden Lebensnotwendigkeit aufgeplustert werden. Als Fußballer führe man kein eigenes Leben mehr, sondern stünde unter ständiger Überwachung durch seinen Arbeitgeber.

Jammern auf hohem Niveau

So weit, so gut. Jammern auf hohem Niveau könnte man meinen, denn schließlich wird man als professioneller Balltreter auch fürstlich entlohnt. Doch als hätte es noch eines Beweises bedurft, dass man als Fußballer im modernen Geschäft gerne mal die Bodenhaftung verliert, meldete sich zu Beginn des Jahres nun also Franck Ribery zu Wort.

Ein Steak in Blattgold

Der Mittelfeldspieler des FC Bayern München hatte auf Instagram ein Foto gepostet, wie er sich ein mit Blattgold überzogenes Steak servieren lässt. Die pure Dekadenz zum Stückpreis von 1200 Euro. Die inzwischen leider fast schon üblichen Hasskommentare waren im Grunde also bereits vorprogrammiert. Deutschland ist ein Land der Neider. Was der Andere hat, will ich auch – und zwar ohne, dass ich dafür was tun muss.

Franck Ribery kann Fußball spielen

Natürlich kann man darüber streiten, wie sinnvoll es ist, ein Steak mit Blattgold zu überziehen. Doch Franck Ribery hat das Geld auf seinem Konto nicht, weil er in seinem Leben intellektuelle Höchstleistungen vollbracht hat. Er hat Geld, weil er besser als viele andere Menschen gegen den Ball treten kann. Und weil wahrscheinlich genau die Leute, die ihn für das Steak nun am lautesten kritisieren, jeden ihrer hart verdienten Cents dem Produkt Fußball in den Rachen werfen und es der Maschinerie so überhaupt erst ermöglichen, fürstliche Gehälter zu bezahlen.

Kein Universitätsprofessor

Es kommt also im Grunde einer Quadratur des Kreises gleich. Es krakeelen die, die selbst der Grund sind, dass es was zu krakeelen gibt. Die Meute echauffiert sich über ihr eigenes Produkt. Dass Franck Ribery sich bei seiner anschließenden Kritik der Neider im Tonfall deutlich vergriffen hat – keine Frage! Aber man sollte die Kirche auch mal im Dorf lassen: Was wäre aus einem Franck Ribery denn geworden, wenn es nicht zum Fußballprofi gereicht hätte? Universitätsprofessor wäre der Franzose wahrscheinlich eher nicht geworden. Und warum bitte schön erwarten wir von ihm dann eine andere Ausdrucksweise als vom Klemptnergesellen unseres Vertrauens?

Nicht mehr nachvollziehbar

Der Fußball ist längst zu einem Milliardengeschäft geworden. Die Summen, die im Geschäft mit dem runden Leder hin und her geschoben werden, sind für den normal sterblichen Menschen (und damit für alle, die nicht Teil des Business sind) nicht mehr nachzuvollziehen. Doch der Fußball ist nicht von selbst zu diesem Milliardengeschäft geworden. Er ist es geworden, weil wir den Hals nicht vollkriegen. Weil es nicht reicht, sich das Spiel anzusehen. Weil es ja unbedingt noch das neueste Trikot sein muss und am besten auch auf dem Klopapier noch das überteuert lizensierte Wappen meines Lieblingsvereins gedruckt sein sollte.

Fußball ist ein Geschäft. Und für ein Geschäft braucht es immer mindestens zwei Leute. Der Deal beim Fußball: Du gibst Dein Geld für ein überteuertes Produkt aus und bekommst dafür neben dem eigentlichen Spiel noch unzählige Dinge, die kein Mensch braucht.

Der Deal Deines Lebens

Es ist beim Deal mit dem Fußball also im Grunde wie bei allem im Leben – egal, wie gut oder schlecht der Deal ist: Du bist derjenige, der entscheidet, ob Du ihn eingehst oder nicht. Niemand wird gezwungen, dem Profil eines Fußballers bei Instagram zu folgen. Niemand wird gezwungen, sich Bilder über das Leben eines Klemptnergesellen anzusehen, der zufällig gut Fußball spielt, um dann bei jeder Verfehlung gleich die Moralpolizei zu spielen.

Einfach mal das Geld verweigern

Kein Mensch der Welt braucht ein mit Blattgold überzogenes Steak. Das wissen wir alle. Vielleicht zeigt uns dieses Steak aber auch nur mal wieder, in welchem Zustand unser so geliebte Fußball inzwischen ist. Ein mit Blattgold überzogenes Kunstprodukt, das in dieser Form niemand wirklich so braucht. Und statt mit Hasskommentaren moralische Instanz zu spielen, sollten wir vielleicht eher mal mit uns selbst ins Gericht gehen. Wer sich ein Trikot mit Ribery-Beflockung kauft, muss sich darüber bewusst sein, dass es die Konten derer füllt, die sowieso schon nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Reichtum. Und wer sich das Trikot eben nicht kauft, schlägt dann mitunter sogar zwei Fliegen mit einer Klappe. Er gibt das Geld am Ende vielleicht für etwas Sinnvolles aus und macht seinem Ärger zudem auf viel subtilere Art Luft. Denn eins ist sicher: Ausbleibende Einnahmen ärgern nicht nur einen Franck Ribery sehr viel mehr als jeder Hasskommentar unter irgendeinem Instagram-Bild.

Foto: Rufus46 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53024813

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The Disorder

Weltinteressierter, offenaugiger, nachtneugieriger Individualmensch in glücklicher Zweierbeziehung, der Musik und Fotos macht, Bücher schreibt und Filme filmt.

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